ARTIKELSERIE ÜBER PATRONEN
G.D.v.Hüls
04.07.2000
Eine Serie über diverse Patronen
aus der Sicht des Sportschützen, Jägers und Wiederladers.
Alle hier besprochenen Patronen
sind von mir im Laufe der letzten 30 Jahre für den einen oder anderen Zweck benutzt worden und ich möchte
meine Erfahrungen weitergeben.
Bis auf ganz wenigen Ausnahmen gebe
ich mit Absicht keine Ladedaten, da es für jeden interessierten Wiederlader
eine unglaubliche Fülle an Daten gibt und man mich im Bedarfsfall immer fragen
kann.
Ich erhebe keineswegs einen
Anspruch auf VOLLSTÄNDIGKEIT; auch
ich kann Unmögliches nicht wahr machen kann. In diesem Zusammenhang sei auf das
Standardwerk “Cartridges of the World” hingewiesen.
17 Remington
In diesem Kaliber (4,7mm)
existierten einige "Wildcats” und jeder Erfinder behauptet natürlich, dass
seine Version die Beste sei. Da Remington sich entschieden hat, ist diese Frage
schlichtweg überflüssig. (Remington locuta, causa finita). Die17 Remington gibt
es in recht präziser Fabrikladung zu kaufen.
Manche Benutzer reden von Wundern
und andere sähen diese Patrone am liebsten verboten .
Man muss bedenken, daß diese
Patrone eine reine "Varmint-Patrone” sein sollte.
Varmints ist eine schwammiger Sammelbegriff für Raubwild,
Kleinwild und Raubzeug. Den amerikanischen Luchs zählt man meistens nicht mehr
zu den "Varmints”.
Bei Pelztieren wünscht man sich
einen möglichst kleinen oder gar keinen Ausschuss. Diese Anforderung erfüllt
die 17 Rem. Auf einen Fuchs gibt es fast nie Ausschuss.
Ein weiteres Argument für die 17
Rem auf Krähen, Elstern und Eichelhähern (Singvögel! !) ist die sehr geringe
Flugstabilität des Geschosses. Ein Treffer wird, wie bei der Swift, mit einer
Wolke von Federn sichtbar; bei einem Fehlschuss, und so etwas passiert, braucht
dieses Geschoss nur ein Blatt zu streifen um entweder zu explodieren oder sich
im Flug zu überschlagen. Ein sich überschlagendes Geschoss fällt bereits nach
wenigen hundert Meter zu Boden.
Nur Remington und SAKO bieten
Waffen für diese Patrone an.
Die Waffen beider Hersteller
schießen dem Einsatzzweck entsprechend gut.
Nach meiner Erfahrung produziert
die SAKO sehr regelmäßige, aber etwas "offenere" Gruppen als die
Remington. Tatsächlich kann man aber nicht sagen, daß die Remington unbedingt
präziser sei.
22 Hornet
Die 22 Hornet ist, wie man schon an
der Form der Hülse erkennen kann, eine recht alte Patrone. Sie ist nach wie vor
recht beliebt. Recht präzise mit kaum Rückstoß. Es gibt für diese Patronen auch
eine breite Palette an Waffen, von Billigstware über Einsteckläufen bis hin zum
ANSCHÜTZ Matchgewehr.
Für die meisten Schützen und Jäger
gibt es hier überhaupt keine Probleme. Eine Packung Munition von Hersteller x,
y oder z, einmal auf dem Schießstand korrekt eingeschossen und die Sache
funktioniert bestens. Die eine Sorte mag etwas präziser schießen als die
andere, aber im wesentlichen ist die Sache problemlos.
Die Leistung der Patrone ist für heimisches Raubwild oder für einen
Küchenhasen auf Entfernungen bis ca. 130 Meter völlig ausreichend und der
Wiederlader stellt fest, dass man mit wenigen Krümeln an Pulver absolut
erstaunliche Leistungen erreicht.
Beim Wiederladen manifestieren sich einige Eigenheiten der 22 HORNET.
Üblicherweise wird die Hornet mit recht leichten Geschossen um 45grains
(Kaliber .224") bestückt und hier entscheidet die Qualität der Geschosse
über die Resultate. Gute Geschosse in dieser Gewichtsklasse sind nicht immer zu
haben und billig sind diese auch nicht. (Es gibt neuerdings ein Ballistic Tip
mit 40 grains!)
Daher versucht so mancher Wiederlader sein Glück mit Geschossen der
Gewichtsklasse für Patronen 222, so von 50 bis 55 grains.
In fast allen Fallen geht der Versuch schief: Mangelhafte Präzision;
manchmal 5 Schuss Gruppen von Markstückgröße, aber sehr oft hat so eine Gruppe
krasse Ausreißer oder die sonst recht präzise schießende Waffe wird gänzlich
zum Pfefferstreuer.
Der Grund liegt in den klassischen Laufabmessungen.
Im Gegensatz zu den meisten Läufen im Kaliber .224" mit einer
Drall-Länge von ca. 35cm für eine Umdrehung hat die Hornet einen Drall von 40cm
für eine Umdrehung (manchmal sogar 45cm). Da mit den etwas schwereren
Geschossen auch eine etwas geringere Geschwindigkeit einhergeht, sind diese
Geschosse bei diesem langsamen Drall nicht ausreichend stabilisiert.
Traurig, aber wahr.
22 K-Hornet
Die K-Hornet (Roy Killburne war der Erfinder) ist ein richtig
"klassischer” Wildcat.
Eine sich sehr früh schon stark verjüngende Hülse wird, um mehr
Pulverraum zu gewinnen, fast gerade "aufgeblasen", der Wiederlader
nennt es "fire forming", erhält eine steile Schulter und fertig ist
die, wie immer, "bahnbrechende", "revolutionäre” Neuentwicklung.
Bei der Hornet funktioniert die Sache recht problemlos. Man gewinnt ca.
15% an Pulvervolumen und damit auch etwas mehr Geschwindigkeit. Leider ist der
Zuwachs nicht genug um auch schwere Pillen zu stabilisieren. Hier hilft nur ein
Lauf mit kürzerem Drall.
Matrizen für eine K-Hornet gibt es von jedem der großen Hersteller und
Reibahlen bei Clymer.
Mit dem neuen Hornady V-Max mit nur 32 grs kommen hier reichliche
950m/sec an Speed!
222 Remington
Anfang der 50er brachte Remington im Rahmen von Versuchen, welche von
US Militär subventioniert wurden, eine Reihe "ziviler" 22er Patronen
heraus. Es handelt sich hier um eine kleine "Familie": 222 Remington,
223 Remington und 222 Remington Magnum.
Die 222 Remington (tripple deuce) war eigentlich die erfolgreichste.
Fast jeder Waffenhersteller bietet eine Waffe in 222 an und seit einigen Jahren
werden auch Einsteckläufen in diesem Kaliber angeboten.
Die 222 Remington hat den Ruf einer hochpräzisen Patrone, aber dieser
gute Ruf wurde wohl eher durch die sehr guten "Varmint”' Waffen, welche
erstmals mit diesem Kaliber kommerziell angeboten wurden, begründet.
Für sportliche Zwecke war diese Patrone nur im Benchrestschiessen
verbreitet, da das internationale Reglement der UIT ein Mindestkaliber von 6mm
vorschrieb. Für Sportschützen ist diese Patrone für Wettbewerbe auf 100 Meter
eine wunderbare Sache. Für Einsätze auf 300 Meter kann man sich darüber
streiten, ob nicht eine 6mm PPC besser sei, da die 22er etwas windempfindlicher
sei. Persönlich würde ich auf 300 Meter eine 6mm PPC oder 243 bevorzugen, aber
jeder, der mit seiner 222 wunderbar zufrieden ist, hat den Erfolg auf seiner
Seite und das ist ein sehr starkes Argument.
Für Wiederlader ist diese Patrone absolut problemlos, solange man mit
dem Geschossgewicht nicht über 55 grains hinausgeht. Zivile Büchsen verdauen
die langen, militärischen, und preiswerten Vollmantelgeschosse nicht besonders
gut.
Erstens ist die Qualität dieser Geschosse meistens etwas
"militärisch', zweitens werden sie nicht ausreichend stabilisiert.
Die 222 Remington hat üblicherweise einen Drall von ca. 35 cm. Das AR15
(M16) hatte zur Stabilisierung der langen VM Pillen einen Drall von ca. 30 cm.
Für den Jäger ist die 222 Remington eine brauchbare Rehwildpatrone. Auf
Entfernungen bis ca. 100 Meter fällt das beschossene Stück im Feuer. Bei
größeren Entfernungen, wenn die Geschwindigkeit des Geschosses unter das für
den “Schock" erforderliche Maß gefallen ist, bleibt der sgn.
"explosive effect' aus.
Natürlich bilden sich auf der Einschussseite, wie bei allen
"schnellen' Patronen, Hämatome. Ich schneide lieber 100 Gramm
Kochwildbrett mit der Geflügelschere ab, als mir nach einem Schuss Sorgen zu
machen. Ein Pansenschuss ist immer eine Schweinerei, egal welche Patrone
benutzt wird.
223 Remington
Nach langen Versuchen wurde diese Patrone zusammen mit dem AR15 (M16)
bei der US Army als Cartridge M193 eingeführt. Fast ein Jahr früher brachte
Remington diese Patrone unter der Bezeichnung 223 Remington auf den Markt. Im
zivilen Bereich unterscheidet sich die 223 von der 222 im Wesentlichen durch
die etwas längere Hülse und den kürzeren Hülsenhals. Die 223 verträgt ca. 15%
mehr Pulver als die 222 und erreicht damit bei gleichem Geschossgewicht auch
etwas höhere Vo.
Die 223 Remington hatte anfangs hier in Europa keine guten Ruf
bezüglich der Präzision.
Mit der “preiswerten Übungsmunition" von Uncle Sam schossen die
Waffen (manchmal eine aufgeriebene 222, technisch problemlos) recht miserabel.
Bis sich die Erkenntnis, dass die Militär-Munition einen anderen Drall
brauchte, verbreitet hatte, war der Ruf erst einmal ruiniert. Nach einigen
Jahren hatte sich diese Situation etwas geklärt um dann wieder in Chaos zu
versinken.
Die NATO befand, dass die 5,56 M193 Patrone "verbessert"
werden müsse.
Es wurde die irrsinnige Forderung gestellt, dass ein Stahlhelm auf 400
Meter Entfernung durchschlagen werden sollte. Welcher Soldat trifft so ein Ziel
mit einer normalen Waffe auf diese Entfernung??? Es wurden also intensive
Versuche durchgeführt und irgendwann kam dann das "Wundergeschoss"
SS109 dabei heraus. 62 grains schwer mit einem Stahlpenetrator in der Nase.
Über die zusätzlichen Kosten redet man ja nicht, es sind sowieso nur
Steuergelder. Dieses Geschoss brauchte natürlich auch einen anderen Drall. Als
Resultat leben wir heute mit Läufen mit Drall-Längen zwischen 17,5 cm bis 35
cm. Aus einem Ruger Mini 14 kommen heute manche Geschosse nicht mehr vorne an,
da sie sich bereits im Fluge durch die irrsinnige Drehzahl (ca. 340.000 Upm)
zerlegen! Die Lebensdauer eines Laufes wird von einem schnellen (oder steilen)
Drall wesentlich verringert.
Die 223 Remington kann
eigentlich alles was die 222 kann,
aber mit etwas mehr Power.
Auf Rehwild dehnt sich die Entfernung mit Schockwirkung auf ca. 130
Meter.
Für die meistens von uns ist das irrelevant, da auf diesen Entfernungen
das Ansprechen (vor dem Schuss!) bereits etwas schwierig sein kann.
222 Remington Magnum
Dieses ist die längste Variante dieser Familie von Patronen.
Alles was für die 222 und 223 gilt für die 222 Rem Magnum.
Es wird nur mehr Pulver in einer etwas längeren Hülse verbrannt und
damit wird auch höhere Vo erreicht.
Für manche Länder ist diese Patrone eine einfache und legale
Alternative zur 223 Remington, da es kein militärisches Kaliber ist.
Wer sich bei unserem deutschen Waffengesetz über unsinnige Vorschriften
oder Interpretationen ärgert, der sollte sich die Vorschriften anderer Staaten
ansehen. Ein Mini 14 in 223 Remington ist zu gefährlich für Zivilisten..
VERBOTEN!! Aufgerieben auf 222 Rem Mag ist das Ding legal!
220 SWIFT
Auf "Neu-Deutsch”: Total GEIL! und absolut unvernünftig.
Diese Patrone hat nur eine Daseinsberechtigung: Extreme
Geschwindigkeit.
Eine gute Waffe mit einem feinen Lauf schießt mit dieser Patrone so
präzise, wie man es sich nur wünschen kann. Mit Geschossen von 52- 53 grains
sind Geschwindigkeiten über 1200m/sec tatsächlich erreichbar. Bei diesen
Geschwindigkeiten wird das Reinigen des Laufes zu einer ganz wichtigen
Angelegenheit. Nach spätestens 40 Schuss muss gründlich "entkupfert”
werden. Sonst ist der Lauf nach wenigen 100 Schuss im Eimer. Bei guter und
gründlicher Pflege lebt ein HART-Lauf mit seiner märchenhaften Präzision über
2.500 Schuss.
Der Rückstoß dieser Patrone ist eigenartig. Eine Waffe für diese
Patrone ist in der Regel eine Sonderanfertigung oder eine der seltenen
Varmint-Waffen von der Stange und somit meistens kein absolutes Leichtgewicht.
Der tatsächliche Rückstoß im Schuss ist recht gering, deutlich geringer als von
einer 243 WIN. Eigenartigenweise hatte ich immer am Tage nach dem Schießen
(meistens so 20-30 Patronen) Schmerzen in der Schulter. Der Impuls ist sehr
schnell und meine Schulter mag das nicht. Wer einen 98er Verschluss hat und
sich etwas bauen lassen möchte, der wird mit einer 220 SWIFT viel Spaß haben.
Umbau und Zuführung sind absolut problemlos.
Wenn ich früher eine Elster auf ca. 300 Meter damit erlegt hatte, fand
ich nur Federn!
Heute schießt man ja nicht mehr auf Singvögel (sic!) und der Hase steht
hier im rot-grünen Hessen auf der "Roten Liste". Hoffentlich fühlt er
sich dort wohl, denn er ist dort durch die Bemühungen der “Grünen” und ihrer
marxistischen Bundesgenossen hingelangt.
22-250
Diese Patrone ist fast eine "Swift" und stammt, wie diese,
aus den 30er Jahren.
Winchester brachte bereits in 1936 die Swift kommerziell heraus. Die
22-250 blieb aber bis in den 60ern eine sgn. "Wildcat”. Heute bietet fast
jeder der großen Waffenhersteller eine Version in 22-250 an und die 22-250 ist
wesentlich weiter verbreitet als die 220 Swift.
Als "Wildcat” wurde diese Patrone auch 22 Varminter, 22 Woytkins etc.
genannt.
Die 22-250 ist nicht ganz so überschnell wie die 220 Swift, und
angeblich leben die Hülsen etwas länger, aber nach meiner Erfahrung sind sich
beide fast gleich und bei gleicher Leistung leben die Hülsen der einen genau so
lang wie die der anderen. Wie die Swift ist die 22-250 meistens sehr präzise
und erreicht auch für Gams auf ca. 250m noch "Shock-Wirkung".
Bei der üblichen Drall-Länge von ca. 35 cm kann es mit schwereren
Geschossen zu Stabilitätsproblemen kommen.
22 Savage (oder 22 High Power, 22
IMP)
Achtung: Geschossdurchmesser .228"!
Eine potente 22er aus dem Anfang des 20. Jahrhundert. Diese Patrone
ist, mit Ausnahme von Deutschland, so gut wie ausgestorben. Man findet sie
meistens in Bockbüchsflinten etc.
In diesem Kaliber gibt es auch Einsteckläufe. Die Patrone hat in den
üblichen Fabrikladungen einen relativ milden Gasdruck. Bedingt durch die
meistens etwas sehr "jagdliche" Eigenpräzision der verwendeten Waffe
habe ich nie überzeugende Präzision erreichen können, aber es gibt keinen Grund
für eine reine Rehwildpatrone Loch in Loch zu schießen. Es gibt keinen Grund
warum eine richtig gute Waffe mit dieser Patrone nicht ausgezeichnet schießen
sollte. Die Auswahl an Geschossen ist nicht sehr groß und da es andere Patronen
mit den “moderneren" .224" Geschossen gibt, braucht man hier
eigentlich nicht zu experimentieren. Wer eine gut schießende Waffe in diesem
Kaliber hat, der sollte sich freuen und seinen Lauf gut pflegen um lange Freude
zu haben.
Nach modernen, von Marketing geleiteten, Gesichtspunkten kann man nur
sagen:
Total veraltet, sie brauchen unbedingt..xyz..~
5,6x57
Eine rein deutsche Entwicklung. Die deutsche Antwort auf die 220 Swift.
Folgerichtig hat die 5,6x57 in der Regel schwere Geschosse und einen
Drall von ca. 25cm um diese auch zu stabilisieren. Typisch für eine deutsche
Patrone hat auch die 5,6x57 einen übermäßig langen Freiflug.
Ich hatte mal einen Repetierer in diesem Kaliber. Es stand sogar
Anschütz drauf.
Egal, ich habe nie annähernd die Präzision einer Swift erreichen
können. Auch ein neuer Lauf brachte keine Besserung. Die kleinste
5-Schussgruppe lag bei 31mm! Jagdlich mag das völlig ausreichen um eine Gams
aus einer Wand zu schießen, ist aber auf dem Schießstand unbefriedigend.
THE SEXY SIXES
Die 6mm-Patronen wurden erst in den 50er "entdeckt”.
Dieses Kaliber scheint das 30er Kaliber in puncto
Beliebtheit/Verwendung den Rang abzulaufen.
6mm PPC (6mm PPC USA)
Bereits lange vor der neuen Palmisano-Pindell-Cartridge in 6mm haften
einige Schützen in USA mit "kleinen' 6mm Hülsen experimentiert. Meistens
auf Basis der 222 etc. Beispiel sei
die 6mm International. Die 6mm PPC entstand ihrerseits aus der 22 PPC und diese
ist wiederum eine runterkalibrierte und "ausgeblasene" 7,62x39 (Jaja,
für die Kalaschnikow). Die Idee ist viel älter; es gab bereits in 1961 die ersten
Patronen und Waffen in 220 Russian,
eine runterkalibrierte und ca. 1mm gekürzte 7.62x39!
Sinn und Zweck der 6mmPPC war anfangs ausschließlich das GEWINNEN von
Benchrest-Weftbewerben. Zielsetzung war eine Hülse mit optimalen Zünd- und
Abbrandverhältnissen zu schaffen. Es ist den Jungs sehr gut gelungen.
Üblicherweise haben die Waffen in 6mmPPC (oder 6mmPPC USA) einen Drall
von ca. 35cm, da für die in Frage kommenden Distanzen nur ein Geschoss von ca.
70 grains benutzt wird (oder noch leichter!)
Ca. 25grains an Pulver ergeben in dieser Verpackung ca. 950m/sec. Ein
Optimum an Wirkungsgrad.
Nun drängt sich die Frage auf, ob diese Patrone wirklich soviel
präziser sei als andere Patronen. Zu diesem Thema kann ich nur sagen, dass mit
der 6mm PPC sehr viele Wettbewerbe gewonnen werden. Allerdings ist es hier wie
bei der Henne und dem Ei.
Hier ein Beispiel: Geplant war eine Waffe in 6mmPPC. Es wurde also erst
einmal ein HART Lauf bestellt, ein Anschütz Liegend-Schaft besorgt, ein ZF
gekauft und dann war das Auto kaputt! Das eingeplant BGR-System war für den
Kunden nicht mehr bezahlbar. Er hafte aber noch ein 98er System. Also, das
Ganze in WDI-Technologie (WAS DA IST!) und dann halt in 243 WIN, da der Kunde
bereits eine Waffe in 243 hatte!
Einzige Einschränkung: Nur 70grains Geschosse.
Am Ende des Tages produziert diese Waffe Gruppen von ca. 30mm auf 300
Meter!! Eine 6mm PPC ist da nichts besser, verbrennt allerdings 40% weniger
Pulver und hat deutlich weniger Rückstoß.
Jagdlich wäre die 6mmPPC eine ganz exzellente Rehwildatrone. Man könnte
eine wunderbare kleine Büchse bauen, wenn es ein brauchbares kurzes System
gäbe. Zur Zeit sind alle Systeme ausreichender Stabilität eigentlich viel zu
lang für diese kleine Patrone.
6mm BR (Remington)
Etwas zur Entstehung: Bereits vor ca. 30 Jahren (1964?) wurde mit einer
gekürzten 308 WIN Patrone erfolgreich experimentiert. Die Hülse wurde um
1/2" gekürzt und das Ergebnis war die 308-1½”. Als reine Scheibenpatrone
gedacht. Diese Idee wurde etwas halbherzig auch mit 7mm und 6mm erprobt
(runterkalibrieren ist ja nicht neu). Es sprach nichts dagegen, aber die
richtige Begeisterung wollte nicht aufkommen, bis Remington die Idee wieder
aufgriff für die "Pistole” XP-100. Mit der fabrikmäßigen Einführung der 7mmBR wurde die XP-100 über Nacht zur
Erfolgswaffe bei der IHMSA. Eine ausreichend starke Patrone zum Umhauen von
Stahlscheiben in einer Serienwaffe. Aus kosmetischen oder sonstigen Gründen
wurden die Hülsen mit einem kleinen Zündhütchen versehen, angeblich um Welten
präziser!!
Recht bald folgte nach bekanntem Muster die 6mm BR. Die Patrone war
eigentlich ein Mauerblümchen bis NORMA
sich entschloss das Rad neu zu erfinden.
Auch in Schweden sah man ein, dass um auf 300 Meter nur ein Loch in
Papier zu bohren eine 308 WIN oder 6,5x55 etwas zuviel des Guten sei. Man
entschied sich nun die "eigene" Patrone 6mm NORMA BR mit dem
entsprechenden Rummel aus der Taufe zu heben. Idiotischerweise entschieden sich
die Schweden (natürlich beraten von internationalen “Eggsberden”) dazu ihre
"neue' Patrone mit einem überschweren 107grains Geschoß zu bestücken.
Diese Geschosse erfordern einen extrem steilen Drall und dadurch wird die
Lebensdauer der Läufe auf ca. 2.500 Schuss herabgesetzt. Auch ein schwarzes
Anpinseln der Geschosse hilft da nur wenig .
Die 6mm BR (ob nun NORMA oder pur) kann alles was eine 6mmPPC mit
weniger Pulver und Rückstoß auch kann, aber mit der fabrikmäßigen Ladung ist
die Lebensdauer der Läufe in 6mm BR wesentlich geringer.
Wer nun eine gute Waffe in 308 WIN oder 6,5x55 etc. hat und irgendwann
doch einen neuen Lauf braucht, der kann seine vorhandene und vertraute Waffe
problemlos mit einem neuen Lauf in 6mm BR ausrüsten. Dann sollte aber für
Wettbewerbe bis 300 Meter ein Lauf mit ca. 35cm Drall eingebaut werden um mit
70grains Pillen zu arbeiten.
Der neue Lauf kostet im der einen oder anderen Ausführung gleich viel,
in 6mm hat man aber gegenüber der 308 deutlich weniger Rückstoß.
Jagdlich ist diese Patrone relativ uninteressant, es werden nur
Ladungen zum Papierbohren angeboten, wie bei der 6mmPPC übrigens auch. Als
wiederladender Jäger ist man mit einer 243 etwas besser bedient (oder gar eine
240 Weatherby??).
243 WINCHESTER
In 1955 hat Winchester die Lawine losgetreten.
Nachdem die Patrone 308 WIN auch als zivile Patrone eingeführt war,
brachte Winchester sehr bald seine erste kommerzielle 6mm Patrone heraus. Man
nahm die 308 Winchester und kalibrierte diese ganz simpel auf 6mm runter und
nannte diese Patrone nach dem Geschossdurchmesser. 0,243 Zoll ist der
tatsächliche Durchmesser.
Winchester hatte die richtige Nase und entschied sich bei ihren Waffen
für einen Drall von ca. 25cm damit auch schwere (100grains) Geschosse
stabilisiert wurden. Die Fachpresse war der einhelligen Meinung, dass dieses Geschoss für
Hirsche erforderlich war.
Alte, ausgelutschte Waffen in diesem Kaliber gab es nicht. Also wurden
alle Tests der Fachpresse zu Munition und Waffen in diesem Kaliber mit neuen
Waffen durchgeführt und auch die Käufer der Munition hatten ausschließlich
brandneue Waffen. Als Resultat wurden natürlich wahre Wunder bezüglich der
Präzision und der Flugbahn berichtet.
Der übliche Drall ist ein guter Kompromiss: Leichte und schwere
Geschosse werden gut stabilisiert und die Lebensdauer der Läufe wird nicht zu
sehr gemindert.
Für den Jäger ist die Patrone fast schon eine
"Eierlegende-Woll-Milch-Sau". Die Leistung ist absolut ausreichend
für fast alle Wildarten (es sei denn der Gesetzgeber hat eine andere
Auffassung); einen Brunfthirsch sollte man aber doch mit einem dickeren Kaliber
schießen. Ich halte es da mit Frevert: Den Brunfthirsch schießt man bis er
liegt und nicht unter 8mm (300 WIN MAG tut's auch). Starke Sauen verdienen auch
ein starkes Kaliber, denn nicht jeder Schuss sitzt perfekt.
Die 243 WIN ist sehr flexibel und präzise und kann für fast jeden Zweck
optimal laboriert werden.
244 Remington
Natürlich brachte auch Remington eine eigene 6mm Patrone auf den Markt.
Eigentlich war die 244 Rem eine feine Patrone, aber Remington entschied
sich für einen Drall von ca. 30cm.
Mit Geschossen bis 90grains (Rundkopf!) funktionierte die Sache
bestens, aber die “magischen” 100grains wurden nicht gut verdaut. Resultat: Die
Patrone taugte nichts. Wenn die Flachpresse erst einmal etwas geschrieben hat,
dann gilt so ein Unsinn ewig und drei Tage, da der eine Tintenkuli vom anderen
abschreibt. Inzwischen war die 243 WIN auf dem Markt etabliert und mit dem
kürzeren Drall der Serienwaffen in 243 WIN (ca.25cm) wurden auch 100 grains
schwere Pillen gut stabilisiert.
Wer eine ältere Waffe in 244 Rem (oder eine "frühe” 243 WIN von
Remington) hat, der sollte sich mit den etwas leichteren Geschossen in 6mm
begnügen. Alles zwischen 70 und 90 grains ist OK und für Rehwild und Gams
völlig ausreichend.
Remington hat dann irgendwann versucht die "eigene” 6mm zu retten.
Die Patrone wurde umbenannt in 6mm
Remington. Beide Hülsen sind IDENTISCH. Remington
Waffen in 6mm Remington haben aber einen steileren Drall als solche in 244 und
verdauen die 100 grains Geschosse!
Die 244 oder 6mm Rem ist 5mm länger als die 243 WIN und verträgt etwas
mehr Pulver.
Die erreichbare Geschwindigkeit ist aber nur wenige m/sec höher als bei
der 243 WIN.
240 Weatherby Magnum
Eigentlich ist diese Patrone nicht so neu. Roy Weatherby brauchte
natürlich auch eine 6mm Patrone nach seinem bewährten Muster. Stärker und
schneller als die Konkurenz und natürlich nur in Weatherby Waffen zu haben. Er
bediente sich einer britischen Patrone aus den frühen 20er Jahren, die 240
Holland und Holland und änderte den Hülsenhals ein wenig
zur"Weatherby”-Form mit relativ großen Radien an der Hülsenschulter.
Fertig war die neue, bahnbrechende, alles in den Schatten stellende Patrone.
Der Vorläufer, die 240 H&H belted, war nicht besonders erfolgreich.
Die einzig wahre Ladung: 95 grains
Nosler Ballistic Tip und 56,0 grains Norma MRP.
Obwohl es sich um eine “Gürtelpatrone' handelt, ist der
Stoßbodendurchmesser gleich der 308 oder 8x57IS. Jeder 98er ist also geeignet
für einen Umbau auf diese Superpatrone.
Als Lauf nimmt man zweckmäßigerweise einen 243 WIN Lauf (ohne
Patronenlager). Wer etwas Exklusives haben möchte, der wird viel Freude an
diese Patrone haben, allerdings ist ein pingeliges Reinigen des Laufes nach ca.
30-40 Schuss erforderlich. Sonst ist der Lauf recht schnell schrottreif. Entkupfern
ist bei allen schnellen Patronen sehr wichtig.
Ein gewisser Frères erfand vor wenigen Jahren die "neue"
Patrone 6x62 Frères.
Nichts anderes als eine alte "Wildcat" , eine
runterkalibrierte 30-06. Vorteile?? Egal, es funktioniert und sollte mit
geeigneten Pulvern auch präzise sein, aber ich habe hier keine Erfahrungen.
THE "QUARTER BORES”
DIE VIERTELZÖLLER
In diesem typisch amerikanischen Kaliber gibt es 2 moderne
Hochleistungspatronen:
25-06 Remington (früher 25 Niedner)
Diese Patrone entstand bereits in der späten 20er. Allgemein hält man
Robert Niedner für den Ersten, der diese Patrone einigermaßen erfolgreich
vermarktete. Als klassische und einigermaßen verbreitete "Wildcat”
dümpelte diese Patrone ein halbes Jahrhundert durch die Weltgeschichte.
Entstanden ist die Patrone natürlich aus der 30-06. Wie nicht anders zu
erwarten durch einfaches Runterkalibrieren des Hülsenmundes.
Als Benchrestpatrone wird sie für zu stark gehalten, als reine
Jagdpatrone von anderen wieder für zu klein im Kaliber. Der reine
Varmint-Schütze spinnt sowieso und hier sagt die Mehrheit, dass sie für reine
Varmints deutlich zu stark sei, aber andererseits für Hirsche genau richtig.
Egal, es handelt sich um eine sehr rasante Patrone und in den meisten Waffen
ist die Sache sehr präzise. Eine "Amerikanische 6,5x63". Diese
Patrone fehlt noch bei den deutschen Erfindungen. Vorwärts, ihr Erfinder; es
besteht Handlungsbedarf!!
Die üblichen Geschossgewichte gehen von 88 bis 117 grains und neuerdings
bietet Sierra auch ein MatchKing Geschoß an. Meiner Meinung nach ca. 25 Jahre
zu spät. Ich halte diese Patrone für absolut ausreichend für alles was da in
Europa kreucht und fleugt.
Diese Patrone braucht langsame Pulver! In manchen Büchern stehen
teilweise abenteuerliche Ladungen. Haben die Autoren diese jemals
ausprobiert?????
Remington hat die klassische 25-06 schlichtweg übernommen und auch
entsprechende Waffen angeboten. Sowohl Waffen wie Munition schießen prima.
257 Weatherby Magnum
Bei Weatherby ist alles "lauter, schneller und besser”. Man kann
über den Sinn streiten, aber es bleibt ein Streit um des Kaisers Bart.
In den original Weatherby-Waffen schießt diese Patrone etwas
durchwachsen.
Manche Waffen sind sehr präzise, andere wiederum bleiben bei aller
Liebe und Mühe "Pfefferstreuer”.
Die Ursache für dieses Phänomen liegt in dem für Weatherby üblichen
Freiflug von 30mm! !
Wenn dieser zylindrische Teil vor dem eigentlichen Übergangskegel nicht
exakt dem Geschoss- (oder Zug) Durchmesser des Laufes entspricht, dann gibt es
hier leichte Präzisionsprobleme. Für rein jagdliche Zwecke ist die Sache zwar
immer noch sehr gut, aber für eine Elster auf 400 Meter wird es schon eine
reine Glückssache.
In USA bauen die meisten Leute die 257 Weatherby mit dem Übergangskegel
der 25-06 und setzen ihre Geschosse im Übergangskegel leicht an. Nebeneffekt:
Mit 2 grains MRP weniger erhält man exakt die gleiche Geschwindigkeiten der
Fabrikladung. Die Fabrikladungen werden von NORMA gefertigt und die Jungs
sparen nicht mit Pulver. Hier ist die Fabrikladung auch tatsächlich eine
Maximumladung.
Aus langen Läufen ist diese Patrone immer noch sehr laut und auch an
einem schönen, hellen Tag sieht man an der Mündung einen wunderschönen
Feuerball. Die Geschwindigkeiten sind fast astronomisch und der Rückstoß ist
recht giftig, aber manchmal macht so etwas ja auch Spaß und das ist (noch??)
nicht verboten.
Persönlich habe ich nur mit NORMA MRP gute Erfolge erzielt.
Das Sierra MatchKing in 100 grains schießt leider nicht so gut wie das
Nosler Ballistic Tip.
Der sehr starke Boden des BT scheint in diesen extremen Bereichen
Vorteile zu bringen.
250 Savage, 25 WIN etc.
Die beiden oben genannten Patronen sind eigentlich recht neu. Bereits
viel früher gab es zahlreiche kleine bis mittlere Patronen im 25er Kaliber
(Geschossdurchmesser 6,55mm).
Mit keiner dieser Patronen habe ich Erfahrung sammeln können, aber wer
eine Waffe für eine solche Patrone hat, der sollte sie mit Vernunft Laden und
seinen Spaß damit haben.
6,5mm
Für Amerikaner: .264"
Am Anfang des 20. Jahrhunderts erschien dieses Kaliber den Militärs
vieler Länder als absolut ideal für eine Infanterie-Waffe. Holland. Dänemark.
Schweden. Italien etc. etc. hatten alle eine eigene "Sechsfünfer”. Heute
hat nur noch eine der fast zahllosen Militärpatronen in diesem Kaliber eine
gewisse Bedeutung: 6,5x55 Schwedisch
Mauser.
Bei den "Long Range"- Schützen ist dieses Kaliber immer in
verschiedenen "Wildcats' einigermaßen beliebt gewesen, da eine brauchbarer
Kompromiss zwischen Rückstoß, Lauflebensdauer, Pulverkosten und Flugbahn
erreicht wird.
6,5 Dutch Mannlicher.
Als richtiger Holländer habe ich auch mit einer solchen Rarität
geschossen. Die Holländerin ist deutlich stärker geladen als die Schwedin.
Schweden sind ja bekanntlich Weicheier, sogar im G3 wollten die Schweden einen
speziellen Rückstoßpuffer.
Die 6,5 Dutch ist eine typische Militärpatrone ihrer Zeit und hat
weiter nie nennenswerte Bedeutung erlangt.
6,5 Carcano
Die Italiener bauen schöne Autos und Flinten, aber bei ihren
Militärwaffen sahen sie immer schlecht aus. Ich habe noch nie eine 6,5 Carcano
erlebt mit welcher man etwas anfangen konnte, aber andererseits: Was soll man
mit so einer Patrone überhaupt anfangen?
Um Lybier, einen Kennedy oder Abessinier tot zu schießen mag das Ding
ausreichen, aber sonst kann man diese Patrone und die Waffen dazu vergessen.
6,5 x 55 Schwedisch Mauser
Diese Patrone ist in den letzten Jahren in Deutschland wieder sehr
beliebt geworden. Die Schweden haben ihre M96er verkauft und diese tauchten
dann in Mengen in Deutschland auf.
Ein "Schwede" schießt in der Regel um Welten präziser als ein
98er in 8 x 571S und hat auch bedeutend weniger Rückstoß.
Die Waffen waren sehr gut gefertigt und meistens sehr gut gepflegt. Da
die Schweden gerne präzise schießen, hatten sie auch schon sehr früh excellente
Matchmunition für diese Waffen (So entstand die Fa. NORMA!).
Ein M96er Verschluss ist kein
98er!! Der 98er Verschluss ist um Welten stabiler! Üblicherweise ist die 6,5x55 SM sehr gemäßigt geladen und
reicht zum Papierbohren völlig aus. Jagdliche Ladungen von NORMA sind bedeutend
stärker geladen als die Militärpatronen und kommen fast bis an das Potential
des Hülsenvolumens heran.
In diesem Kaliber gibt es fast so viele Geschosse wie im 30er und der
Wiederlader kann nach Herzenslust experimentieren. Bedingt durch die flache
Schulter längen sich diese Hülsen recht schnell beim Wiederladen und müssen
öfter getrimmt werden als z.B. eine 308 WIN.
Als reine "Match”- Patrone ist sie veraltet; es gibt bessere.
6,5 x 57
Die Hülsenlänge der "deutschen Militär-Patrone" und ein
kleineres Geschoss.
Im Prinzip eine deutsche Version der 25-06. Diese Mauser-Patrone
entstand aber bereits in 1893!! Es wurden sehr schwere Geschosse verladen und
in Verbindung mit den damaligen Pulvern entschied man sich auf Grund von
gemachten Erfahrungen für einen langen Freiflug. Dieser lange Freiflug reagiert
etwas gutmütiger bei Druckspitzen. Man sollte in diesem Zusammenhang bedenken,
dass die Phlegmatisierung der Nitro-Pulver jener Tage bei weitem nicht so
konstant war wie heute.
Bedingt durch diesen langen Freiflug/Übergangskegel ist die 6,5 x 57 sehr temperamentvoll oder
eigenwillig in puncto Präzision und manche Waffen bleiben aller Mühen zum Trotz
reine "Gießkannen". Wenn der Freiflug in Durchmesser auch nur einen
Hauch zu groß geraten ist, so kann man mit den allerschwersten Geschossen
gerade “jagdliche” Präzision erreichen.
Diese Patrone wäre nicht meine
erste Wahl!
6,5 Remington Magnum
Hier war Remington der Zeit (zu weit?) voraus. In den frühen 60ern
brachte Remington die 600er Waffen heraus. Recht kurze, führige Büchsen in fast
futuristischem Look. Jäger sind aber stink- und stock-konservativ. Der
kommerzielle Erfolg war also nicht berauschend. Diese Waffen wurden dann auch
nach ca. 12 Jahren wieder eingestellt, obwohl die Besitzer eigentlich alle sehr
zufrieden waren.
Zu diesen etwas zu futuristischen Waffen brachte Remington auch zwei
neue, kurze Magnum Patronen heraus. Einmal im 6,5er Kaliber und im 9er(oder
35er) Kaliber. Beide Patronen sind recht gedrungen und erreichen aus sehr
kurzen Läufen absolut erstaunliche Leistungen. Aus einem Lauf von ca. 50cm
erreicht man mit einem 117 grains Geschoss höhere Werte als mit der 25-06 mit
60cm Lauf. Man könnte sagen, das Remington hier mit einer sehr leistungsstarken
Patrone genau die gleichen Überlegungen hatte, welche später bei der
Entwicklung der 6PPC zugrunde lagen.
Heute sind diese Waffen gesucht und eine neuwertige "Gebrauchte”
kostet in USA schon mal $900,-
Diese Patrone macht nur Sinn in einem ausgesprochenen Kurzsystem; dafür
wurde sie ja auch entwickelt.
Persönlich habe ich diese Patrone nur aus eine Remington 660 geschossen
und die Präzision war für eine so kleine und leichte Büchse, trotz
"Sicherheits-Abzug" mit ca., 1,9 kg Abzugsgewicht, eine Sensation! 5
Schuss in 7cm auf 300 Meter mit Fabrikpatronenl
6,5 x 68
Eine "deutsche" Magnum
Patrone, der amerikanischen Konkurrenz um mindestens ein Jahrzehnt voraus. Eine
dicke und lange Hülse mit sehr großer Wandstarke im Bodenteil. Die Hülsen sind
richtig schwer!
In Texas sagt man: Bigger is
better! Stimmt! (?)
Man verbrennt, wie bei anderen
Magnum Patronen auch, eine Unmenge Pulver und erhält bärigen Rückstoß um
gegenüber der 6,5 x 57 ca. 10% höhere Vo zu erzielen,. Die Relation 30-06 und
300 WIN MAG ist ähnlich..
Bezüglich der Präzision gilt hier
analog zu allen “deutschen" Patronen, dass ein langer Übergangskegel die
Sache nicht einfacher macht.
Die "German Magnums” haben
einen eigenen Stoßbodendurchmesser. Das Umrüsten einer vorhandenen Waffe auf
eine Gürtelpatrone erfordert dann auch eine Nacharbeit des Stoßbodens.
“Long Range”- Schützen sind immer
auf der Suche nach Vo und gestreckter Flugbahn. Trotz riesiger Hülse und
gigantischer Pulvermenge erreicht man mit den hier universell benutzten
140grains Geschossen aus solchen “überdimensionalen" Hülsen nur sehr wenig
mehr an Geschwindigkeit gegenüber z.B. eine 6,5 x 55 "lmproved".
1000m/sec werden nicht mit brauchbarem Gasdruck erreicht. (Diese Leute reden
nie von einem zulässigen Gasdruck, sondern von einem "praxisgerechtem
Gasdruck").
Meiner Meinung nach ist die
erreichbare Präzision jagdlich ausreichend, könnte aber für eine solche
Patrone, welche ja für die weiten Schüsse gedacht ist, deutlich besser sein.
Die Leistung ist natürlich für alle Wildarten in Europa absolut ausreichend, aber
.... (bigger is better?)
Eine 264 WIN MAG ist in der Regel
präziser.
264 WINCHESTER MAGNUM
Öfter mal was Neues ist eine
bewährte Devise in der US Waffenbranche.
Also brachte auch Winchester eine
"Sechsfünf”. Basishülse war im Prinzip die uralte 300 Holland &
Holland, also eine klassische Gürtelpatrone. Alles was für eine 6,5 x 68
bereits gesagt wurde gilt für die 264 WIN MAG, mit Ausnahme des
Übergangskegels! Im Durchschnitt erreicht man bessere Präzision, aber da es
sich bei beiden Patronen um reine Jagdpatronen handelt, ist die Präzision auf
jeden Fall ausreichend. Auch hier sind die "magischen" 1.OOOm/sec
nicht mit zulässigen Drücken erreichbar.
Die besten Resultate hatte ich immer
mit NORMA MRP oder WINCHESTER 785 Pulvern.
Letzteres ist nicht mehr zu haben.
KALIBER .270
Auf Deutsch: Wie bitte?
Dieses Kugelkaliber ist so amerikanisch wie Corn Flakes, Hamburger oder
Whisky Sour.
Bis vor wenigen Jahren war dieses Kaliber in Deutschland so gut wie
nicht bekannt und es war teilweise recht schwierig Munition für eine im
Fachhandel erworbene Büchse zu beschaffen!
270 WINCHESTER
Wenn man in USA "270” sagt, dann meint man diese Patrone. Eine
kommerziell und jagdlich sehr erfolgreiche Patrone. Entstanden durch
runterkalibrieren der 30-06 (was sonst!). Die 270 WIN ist eine reine
Jagdpatrone; für Varmints zu stark findet diese Patrone auch bei Long Range
Leuten keine Beachtung.
Fast alle Waffenhersteller bieten ihre Waffen in diesem Kaliber an und
Munition kann man in USA überall kaufen. In Deutschland sieht die Welt
allerdings anders aus.
Der Rückstoß dieser Patrone ist auch aus sehr leichten sgn.
"mountain rifles' noch erträglich.
Neuerdings gibt es für den Wiederlader eine absolut vollständige
Palette an Geschossen und gesicherten Ladedaten.
270 Weatherby Magnum
Die 270 Weatherby war die erste kommerzielle Patrone des Roy Weatherby.
In 1943 (oder 1945?) fing es mit dieser Patrone an. Der enorme Erfolg der 270
Winchester brachte ihn dazu genau dieses Kaliber zu "magnumisieren”. Ob
jemand nun diese Leistungssteigerung wirklich braucht, sei dahingestellt.
Diese Patrone ist nach wie vor die meist verkaufte aus der Palette der
Fa. Weatherby.
Es wird eine gigantische Menge an Pulver verbrannt und die magischen
1000m/sec werden mit jagdlich relevanten Geschossgewichten deutlich überschritten.
Allerdings nimmt auch der Rückstoß deutlich zu. Aus einem leichten
"mountain rifle” wird die Sache ohne wirkungsvolle Mündungsbremse
unerträglich und aus einem Gewehr mit etwas Übergewicht ist die Sache immer
noch unangenehm.
Die ersten Weatherbybüchsen für diese Patrone basierten auf bei FN
gefertigten Mauser 98 Systeme und waren damals schon richtig schöne Büchsen für
den typisch amerikanischen Geschmack.
Da Roy Weatherby allergrößten Wert auf exacte Verarbeitung legte,
schossen seine Büchsen trotz langem Freiflug sehr präzise. Die von Norma
gefertigte Munition hat mit ihrer Topqualität auch einen entscheidenden Beitrag
zum kommerziellen Erfolg geliefert.
Eine typische Magnumpatrone, wie es die Weatherby nun mal ist, ist für
den Wiederlader sehr wenig flexibel. Nur volle Ladungen mit MRP ergeben
gleichmäßige Vo.
Obwohl eine starke Magnumpatrone, findet diese Patrone, genau wie die
kleine Schwester 257 Weatherby Mag, recht häufig Verwendung bei
Varmintschützen, welche auf extremste Entfernungen treffen wollen.
7MM
In USA .284"
7mm Patronen sind recht alt und
recht erfolgreich. Die Engländer haben es in den Boerenkriegen deutlich zu
spüren gekriegt.
In 7mm gibt es aber auch eine
Unzahl von Patronen zu denen man sagen kann “Tote Hose”.
7 x 57
Diese wahrscheinlich älteste aller
7mm Patronen wurde noch im 19. Jahrhundert in mehreren Ländern, zusammen mit
diversen Mauser Gewehren, eingeführt. In der Leistung liegt sie tatsächlich
zwischen der 6,5 x 55 und der 8 x 57 IS. Militärisch gesehen ist diese Patrone
genau so gut oder genau so schlecht wie alle andere militärischen Patronen der
Jahrhundertwende: Um auf normale infanteristische Entfernungen einen Soldaten
zu töten oder zu verwunden eigentlich viel zu stark. Allerdings dauerte es mehr
als ein halbes Jahrhundert bis sich diese Erkenntnis durchsetzen konnte.
Auf der Jagd ist die gute alte 7 x
57 eine zuverlässige mittlere Patrone. In einem bewährten 98er nach wie vor
eine prima Sache. Mit mittleren Geschossgewichten und insbesondere mit einem
Nosler Ballistic Tip eine prima Patrone für mittleres Wild bis mittlere
Entfernungen.
7mm-08
Wer braucht denn so etwas?? Eine
runterkalibrierte 308 WIN! Es gibt doch bereits genug Patronen in 7mm.
Antwort: Öfter mal was Neues zur
Umsatzsteigerung und dann gibt es noch Länder mit eigenartigen Waffengesetzen:
Waffen in militärischen Kalibern sind VERBOTEN. Eine 308 WIN ist verboten, eine
7mm-08 ist erlaubt. 7 x 57 ist böse,böse,böse - eine 7mm Rem Mag ist wunderbar!
Da eine 243 WIN in manchen Ländern für die Jagd nicht ausreicht(?), und eine
308 WIN verboten ist, baute man eine 7mm-08.
In der Leistung liegt die 7mm-08
mitunter etwas höher als eine 7 x 57, da mit einem etwas höheren Gasdruck
gearbeitet wird. Die Patrone ist absolut unproblematisch und mit entsprechenden
Geschossen sehr präzise.
284 WINCHESTER
Eine in Deutschland fast unbekannte
Patrone und auch in Amerika nicht sehr bekannt.
Eine in Abmessungen und Leistung
sehr moderne Patrone. Kurz und gedrungen, mit recht gemäßigten Mengen an Pulver
werden beachtliche Geschwindigkeiten erreicht. In Mexico und USA eine beliebte
Patrone um Metallplatten in Tierformen umzuwerfen.
Diese Patrone hat bei
vergleichbaren Geschossgewichten nur knapp 10% weniger Leistung als eine
ausgewachsene 7mm Remington Magnum und erheblich weniger Rückstoß.
In entsprechenden Waffen ist diese
Patrone problemlos präzise und sie geht ohne Änderung in jedes Kurzsystem.
7 x 64 (Brennecke)
Wenn man der Flachpresse glaubt,
dann kann der Deutsche Weidmann keine andere Patrone schießen!
Ich bin mit der Geschichte der Fa.
Brennecke nicht sehr vertraut, aber diese Patrone entstand Ende der 20er Jahre.
Gedacht war sie als eine deutlich stärkere 7 x 57 und genau das ist diese Patrone immer
noch. Eine echte deutsche Patrone mit langem Obergangskegel.
Ich habe Waffen im Kaliber 7 x 64
nie lange besessen. Die Jäger wollten diese Waffen gerne kaufen und so waren am
Ende doch alle glücklich und zufrieden.
Auffallend ist, dass Patronen 7 x
64 eines namhaften deutschen Herstellers in der Praxis nur sehr selten die auf
der Packung angegebene Geschwindigkeit erreichen. Meine Messungen ergaben bei
manchen Losen bis zu 23% weniger Vo.
Ich bin mit dieser Patrone nie
glücklich geworden, aber es scheint eine rein persönliche Sache zu sein.
7 x 65 R (Brennecke)
Eine reine Schwester der 7 x 64 für
Kipplaufwaffen. Etwas geringerer Gasdruck und somit auch etwas geringere Vo.
Funktioniert bestens.
Mir ist im Laufe vieler Jahre in
Gesprächen mit anderen Jägern ein besonderes, aber erklärbares, Phänomen
aufgefallen:
Mit dem (über-)schweren 11,5 gramm
TIG schießt der gute alte Drilling lange nicht so präzise wie der
Super-Repetierer, aber mit dem Drilling liegen die Stücke alle im Knall!
Zumindest nach Aussage der Jäger. Es hat sogar mal eine kleine Diskussion in
der jagdlichen Flachpresse zu diesem Thema gegeben. Die aufgestellten Thesen
waren reinster Schamanismus! Nur die Frage ob die Mondphase in Abhängigkeit mit
der biorhytmischen Kurve des Schützen einen Einfluss habe, wurde noch offen
gelassen.
Dabei ist die Erklärung eigentlich
ganz einfach. Logisch sowieso. Die Läufe für beide Patronen haben den gleichen
Drall. Geschosse mit 11,5 gramm sind in diesem Kaliber schon recht lange
Baumstämme. Die 7 x 64 mit ca. 100 m/sec mehr (dadurch auch höhere Drehzahl!!)
stabilisiert diese Geschosse ausgezeichnet. Die deutlich langsamere 7 x 65R
stabilisiert diese Baumstämme nur marginal, daher die meistens etwas mäßige Präzision.
Wenn nun ein perfekt stabilisiertes Geschoss auf einen Wildkörper auftrifft, so
wird es sich hoffentlich bilderbuchmäßig aufpilzen, aber ansonsten fliegt es
geradeaus. Das gleiche Geschoss, langsamer und nur marginal stabilisiert, wird
sich vielleicht etwas weniger brutal aufpilzen, aber es fängt an sehr stark und
sehr schnell zu pendeln. Dadurch wird ein sehr großer temporärer Wundkanal
gebildet. Somit ist ganz einfach erklärt, warum der gute alte Drilling mit dem
11,5er so gut tötet!
7mm Remington Magnum
Ein Klassiker, obwohl noch recht jung. Als Remington in1962 die 700er
Repetierbüchsen auf den Markt brachte, kam auch gleich eine eigene 7mm Magnum
Patrone. Natürlich gab es vorher schon 7mm Patronen mit Gürtel, die ersten so
um 1910, aber erst mit modernen Pulvern, und das noch in Kombination mit der
Remington 700, wurden 7mm Magnums erfolgreich.
Es ist auch eine klasse Patrone. Der Rückstoß ist allerdings recht
giftig. Aus Serienwaffen ist diese Patrone sehr präzise und sie ist weltweit
verbreitet.
Es gibt natürlich eine gewaltige Palette an Laborierungen, von (zu)
leichten Geschossen bis hin zu Baumstämmen. Meiner Meinung nach liegt die
Weisheit irgendwo in der Mitte.
Ich lade 70grains Norma MRP hinter ein 140grains Nosler Ballistic Tip.
Die Sauen sind damit sehr tot! 1050m/sec aus einem 52 cm langen Lauf sind auch
überzeugend.
Bei den Long Range Schützen hat sich diese Patrone nie so richtig
durchsetzen können. Eigentlich spricht nichts dagegen, aber wenn diese Jungs
sich schon für 7mm entscheiden, so wird es fast immer eine 7mm-300Weatherby.
Bigger is better.
7mm Weatherby Magnum
Ich möchte hier nicht am pseudo-religiösen Grabenkrieg der
Weatherby-Fanatiker teilnehmen, aber ob nun Remington oder Weatherby hinten auf
der Hülse steht, beide haben fast das gleiche Hülsenvolumen und annährend
gleiche Geometrie. Somit müssen die Leistungen auch fast gleich sein und genau
dieses wird durch MESSUNGEN bestätigt. Eine 7mm Weatherby schießt in der Regel
sehr gut und wer auf den Weatherby-Look steht, ist mit dieser Waffe bestens
bedient. Neuerdings bietet sogar die Fa. Weatherby ihre Waffe auch in 7mm
Remington Magnum an.
7mm-300 Weatherby
Diese Patrone ist eine überraschend weit verbreitete “Wildcat” bei den
Long Range Boys.
Es handelt sich hier um eine auf 7mm runterkalibrierte 300 Weatherby
Magnum.
Man hat schlicht und ergreifend mehr Pulverraum und kann die Geschosse
etwas schneller rausprügeln. Eine gewaltige Menge mehr an Pulver um
vergleichsweise wenige m/sec und deutlich noch mehr Rückstoß zu gewinnen.
Wer aber eine starke Patrone für extreme Entfernungen haben will, ist
mit dieser Patrone besser bedient als mit einer 30/378 Weatherby, denn da ist
die Sache schon fast kriminell.
7,5 x 55 Schmidt Rubin oder Schweizer Ordonanz (GP11)
Vorsichtl Es
handelt sich hier um eine "echte" 7,5mm Patrone und nicht um eine
umbenannte 308er!ll Die Maße des Laufes sind 0,11mm kleiner als beim 30er
Kaliber!
In der
heutigen Form wurde diese Patrone mit dem Geradezugrepetierer Gewehr 1911 (in
der Schweiz auch Fischrute genannt) eingeführt. Die Schweizer proben ja immer
den Neutralitätsfall und man sah keine Veranlassung ein internationales Kaliber
zu wählen. Man baut seine eigenen Maschinen und Vorrichtungen und deshalb wohl
auch ein eigenes Kaliber.
Irgendwann war
den Schweizern das Gewehr 11 nicht mehr präzise genug und es wurde dann der K31
eingeführt. Kein Land der Welt hat jemals ein so gutes und präzises Gewehr für
den allgemeinen Dienstgebrauch eingeführt!!
Die mit
schweizer Präzision gefertigte Militärmunition kann mit so mancher
Match-Munition konkurieren.
Die Schweizer
haben am Geschoss einen Fettrand und es herrscht natürlich ein erbitterter
Glaubenskrieg, ob dieses Fett der Präzision abträglich sei oder nicht. Sich in
schweizer Glaubenskriege einzumischen ist genau so gefähhich wie einem
Schweizer zu sagen, dass die Steuern dort nur lächerlich seien, aber unter
Todesverachtung kommt hier meine Meinung zu diesem Thema: Die Jungs sollen froh
sein, dass sie mit einem so schönen Gewehr mit so schön preiswerter Munition so
oft schießen können. Das Fett am Geschoss ist für den Gebrauch auf dem
Schießstand eine prima Sache und verlängert auf jeden Fall die Lebensdauer des
Laufes. Im "Neutralitätsfall" würde ich die Pampe sofort entfernen,
da Geröll und Sand sich hier wunderbar anheften.
Wer keinen
Zugriff auf Schweizer Munition hat, der kann die guten Norma Patronen kaufen.
Dem
Wiederlader sei geraten nur mit größter Vorsicht zu Werke zu gehen.
Nur die
originale Geschosse haben den korrekten Durchmesser. Alles Andere ist um 0,11
mm zu groß. Der K31 ist zwar recht robust, die alte Fischrute ist aber deutlich
schwächer. Ich empfehle daher dringend nur das recht dünnwandige Sierra
Matchgeschoß zu benutzen und auf keinen Fall diese Patrone zu "magnumisieren".
Die Stärke des Geschossmantels und die Härte des Bleikernes sind unter diesen
speziellen Umständen von ganz erheblicher Bedeutung. Kleine Abweichungen
bewirken bereits enorme Steigerungen im Gasdruck. Halten Sie sich an NORMAs
Ladedaten!
30er Patronen
Andere Bezeichnungen für diese
Kalibergruppe: 7,62 , 308er oder 300er
Alle echte
30er haben ein Feldmaß von 7,62mm und ein Zugdurchmesser von 7,83mm (0,300Zoll
zu 0,308 Zoll)! Natürlich fange ich mit einer Ausnahme an.
.30 Carbine
Als rein
militärische Überlegung gar keine schlechte Sache und von vielen anderen
Nationen kopiert oder in eigene Entwicklungen eingeflossen. Die Überlegung war,
dass der Infanterist eigentlich schon genug mit sich herumschleppt und er mit
einer kleineren und leichteren Waffe mit deutlich weniger Rückstoß besser
bedient sei. Auch die kleine 30 Carbine reicht völlig aus einen Gegner zu
töten! Man spart Gewicht, Pulver und strategisch wichtiges Kupfer für die
Hülsen.
Ein gewisser "Carbine”
Williams entwickelte diese Waffe für Winchester und sie wurde auch
eingeführt! Während des zweiten
Weltkrieges kam diese Waffe weltweit zum Einsatz. Gebaut wurde das Ding von ungefähr
einem Dutzend Firmen.
Eigenartigerweise
hat die 30 Carbine nach offizieller Lesart ein Zugdurchmesser von 7,80mm (0,307
Zoll). In der Praxis ist es schwer dieses genau festzustellen, da die meisten
Waffen doch recht ausgelutscht sind; sie haben meistens einen Weltkrieg, Korea,
Landung im Libanon und dann “Bruderhilfe für Bananenrepubliken" hinter
sich. Auch neue Brünierung hilft da nicht.
Der Wiederlader kann hier herrlich
experimentieren und irgendwann findet er hoffentlich heraus, dass seine
spezielle Waffe mit dem Geschoss XY doch noch passabel schießt.
Für den Jäger ist diese Patrone
absolut bedeutungslos. Ich würde mit dieser Patrone nicht auf ein Reh schießen,
solange ich eine etwas stärkere Patrone nehmen könnte.
30-30
Eine frühe Nitropatrone! Die 30-30 wurde von Anfang an mit 30 grains
Nitropulver geladen und daran hat
sich bis heute wenig geändert.
Natürlich findet jeder Flachjournalist diese Patrone viel zu schwach
für Hirsche etc. aber dennoch ist gerade diese Patrone die erfolgreichste
Jagdpatrone der Geschichte. Der übliche Unterhebelrepetierer ist leicht und
handlich, man kann so ein Ding den ganzen Tag schleppen, und die Patrone
scheint in den meisten Fälle stark genug zu sein. So genau nehmen die
Amerikaner es da sowieso nicht. Eine gewissenhafte Nachsuche kennen diese Leute
nicht!
Alle Unterhebelrepetierer brauchen Flachkopfgeschosse! Dadurch ist die
Auswahl etwas eingeschränkt.
Die
Präzision/Leistung der üblichen Unterhebelrepetierer ist jagdlich völlig
ausreichend, aber in Europa haben Waffen in 30-30 selten einen Jäger begeistem
können.
30-40 oder 30 Krag
Diese Patrone wurde zusammen mit dem Krag-Jörgensen Rifle in der US
Army eingeführt.
Das Krag war ein wunderschönes, zuverlässiges und solides Gewehr, aber
nach relativ kurzer Zeit wurde es durch das Springfield 03 mit einer eigenen
Patrone ersetzt.
Die 30 Krag ist eine relativ schwach geladene Randpatrone und heute
doch recht selten geworden. Da ein Krag immer noch ein schönes Gewehr ist, kann
man mit diesem Ding auch heute noch prima schießen. Die meisten Krag sind kaum
gebraucht worden! Sie repetieren seidenweich!
Man sollte sich an die Ladedaten halten und bedenken, dass es sich hier
um eine solide, aber immerhin 110 Jahre alte Konstruktion handelt.
30-06
Eigentlich gab es einen Vorläufer (30-03), welcher zusammen mit dem
Repetierer Springfield 03 in 1903 eingeführt werden sollte. Bereits 2 Jahre
später wollten die Militärs noch mehr Power und es entstand die Patrone 30-06.
Diese ist die amerikanische Standard-Patrone. Für einen Amerikaner ist es
logisch, dass fast alle "Wildcats' und auch kommerzielle Entwicklungen
mehr oder weniger auf diese Patrone basieren. Die 30-06 hat natürlich starke
Anleihen an eine 7 x 57, mit welcher die Amerikaner in Mexico schlechte
Erfahrungen gemacht hatten, da sie meistens am falschen Ende der gegnerischen
Waffen standen.
Militärisch wurde diese Patrone mit allen erdenklichen Geschossen
ausgestattet, und gegen Ende des zweiten Weltkrieges war die Standardpatrone
der US Armee im Felde (besonders in Europa) eine Laborierung mit Hartkern
(Armour piercing). Wie bei der 8 x 57 gab es auch für die 30-06 Leuchtspur-,
Explosiv- und Zerlegungs(=Übungs)-Munition.
Eine frisch eingeführte, neue Militärpatrone wird natürlich sehr bald
von jedem Waffenhersteller in mehr oder weniger zivilen Büchsen auf den Markt
gebracht und die jagdliche Munition mit dazu.
Für den Sammler wäre alleine dieses Kaliber eine Lebensaufgabe.
Von lhrer Leistung ist diese Patrone mit den anderen Militärpatronen
ihres Zeitalters vergleichbar; als Infanteriepatrone zu stark liegt sie
jagdlich im mittleren Bereich.
In diesem Kaliber gibt es alle vorstellbaren und unvorstellbaren
Geschoss-Konstruktionen und Gewichte. Man kann theoretisch für jeden Zweck eine
optimierte Ladung erstellen.
Man könnte aufgrund der enormen Verbreitung dieser Patrone von einer
jagdlichen Universalpatrone sprechen.
Eine angenehm schießende Ladung, welche auch im Garand sauber
funktioniert:
168 grains Sierra HPBT und 47,0 grains Kemira N140.
308 Winchester (7,62 x 51)
Nach dem zweiten Weltkrieg suchten die Amerikaner eine neue
Militärpatrone.
Die Überlegung war, dass die 30-06 zu lang und zu stark war und man
gedachte auch strategisch wichtige Materialien einzusparen. So groß waren die
Unterschiede am Ende des Tages natürlich nicht, da es sich hier um militärische
Gedankengänge handelte. Anstatt eine wirklich neue Patrone zu erschaffen, kam
eine nur geringfügig gekürzte 30-06. Die Industrie hatte natürlich nichts
dagegen, denn man konnte eine komplette Familie an Waffen mit alten Ideen aus
den Schubläden holen. Die tatsächliche Leistung einer militärischen 7,62 liegt
nur unwesentlich unter der 30-06!
Manche Länder (Holland z.B.) rüsteten ihre Waffen in 30-06 (meistens
Garands) als Übergangslösung mit neuen Läufen aus. Es hat sogar einige Garands
mit Reduzierbuchsen im Patronenlager gegeben!
Als militärische Neuerung war die 7,62 x 51 nichts Halbes und nichts
Ganzes. Eine absolut brauchbare Patrone, aber nicht unbedingt der Große Wurf.
Auch jagdlich kann ich persönlich nur sagen: Kein Fisch und kein
Fleisch.
Eine an sich recht ausgewogene mittlere Patrone, ausreichend für alle
mittleren Wildarten, aber es fehlt an Geschwindigkeit und/oder Kaliber.
Persönlich habe ich die Erfahrung machen müssen, dass die meisten
Stücke auch mit besten Schüssen noch eine relevante Fluchtstrecke zurücklegen.
Sie sind zwar klinisch tot, nur wissen diese Tiere das noch nicht!
Mit leichten Geschossen und fast kriminellen Pulverladungen lagen alle
Stücke im Feuer, da mit z. B. einem 125grs Geschoss eine Vo von knapp
1.000m/sec. erreicht werden kann. Dann gibt es sehr starke Hämatome am
Einschuß. Brutale und schwere Geschosse helfen zwar (z.B.Nosler BT), aber auch
dann geht das Gejammere los über Wildbrettzerstörung etc. Mir ist es lieber,
dass das Stück am Fleck fällt und ich etwas Kochwildbrett wegschneide (der Hund
freut sich!), als bei schnell dunkel werdender Nacht nach dem Schuss von einem
Hochsitz eine leere Schneise zu sehen. Wie man es macht ist es falsch! Warten
ist immer angesagt, aber irgendwann entscheidet man sich dann doch etwas zu
unternehmen.
Möglichkeit 1) Zum Auto und den Hund geholt. Hund freut sich! Kurze
Totsuche; alles in Ordnung. Ist das Stück aber tatsächlich krank geschossen,
dann war es natürlich grundfalsch: "Gerade Sie als erfahrener Hundeführer
müssen doch wissen ,dass man erst ... Rhabarber , Rhabarber."
Möglichkeit 2) Zum Auto, Jagdherrn suchen, melden. Leichte Rüge etc.
Nachsuchen am nächsten Morgen. Genauso Totsuche, Hund freut sich, Stück
bereits stark angeschnitten. Kommentar: “Warum haben sie denn nicht gleich
nachgesucht? Sie sind doch ein so guter Schütze….”
Vor vielen Jahren gab es mal POLYGONLÄUFE für 98er Systeme, hergestellt
von einer namhaften Firma in Oberndorf. Diese Läufe waren das Präziseste was es
je gegeben hat!. Natürlich in 308 Winchester. Es kam dann sofort eine
haarsträubende Story in einer Jagdzeitschrift, daß Polygonläufe nicht töten!!
Es wurden genau meine Beobachtungen mit der 308 geschildert. Der Schreiberling
war der Meinung, dass die Geschosse durch das Fehlen von Zügen und Feldern
nicht eingeschnitten wurden und sich dadurch nicht richtig aufpilzen würden!
Eine Gegenprobe mit konventionellem Profil wurde natürlich nie unternommen.
Ich habe selbst Polygonläufe in 308 eingebaut und keinen Unterschied in
der Wundwirkung feststellen können. Logisch, denn auch wenn leichte
Einschnürungen im Geschoss einer Zerlegung förderlich wären, so sitzen diese
leichten Kerben im zylindrischen Teil des Geschosses und nicht in der Spitze.
Die Geschosse zerlegen sich durch die unglaublich hohe Drehzahl und den
Zielwiederstand. Als Anhaltswert: Ein Geschoss aus der 308 mit 800 m/sec. dreht
sich mit ca. 160.000 Umdrehung pro
Minute. Tatsächlich stehen Büchsengeschosse während des Fluges kurz vor den
Zerplatzen.
Da die 308 WIN eine sehr weit verbreitete Militärpatrone ist, wurden
natürlich bereits sehr früh richtige Matchwaffen in diesen Kaliber gefertigt.
Bis heute ist die 308 die am meisten verbreitete Matchpatrone. Auch hier kann
ich nur sagen: Nichts Halbes und nichts Ganzes. Aus den entsprechenden Waffen
wunderbar präzise und recht gutmütig zu laden. Eine konstante Menge Pulver und
ein Sierra Matchgeschoß von 150 bis 168 grains und die Sache schießt geradeaus.
Für Entfernungen bis 300m gibt es angenehmere und bessere Patronen, aber man
kann mit einer 308 immer noch jeden Wettkampf gewinnen.
Die 30-06 hat eine Drall-Länge von ca. 250mm und verträgt
Geschossgewichte bis zu 200 grains. Die 308 WIN hingegen hat einen Drall von
ca. 350mm! 180 Grains sind in der Regel das Maximum für das Geschossgewicht.
Schwerer wird meistens nicht ausreichend stabilisiert. Die Fa. Hämmerli bietet
allerdings auch Läufe in 308 mit einem Drall von 330mm an. Interessant für Long
Range Waffen, da hier z.B. das 185 grains schwere Lapua D46 deutliche Vorteile
bietet.
300 Savage
Diese Patrone wurde zusammen mit dem Unterhebelrepetierer Mod.99
eingeführt.
Es handelt sich bei der Basishülse um eine 7 x 57! Gekürzt und mit
einem 30er Geschoss versehen.
Etwas schwächer als eine 308 WIN. Es gilt also für diese Patrone alles
was bereits über die 308 gesagt wurde, allerdings ist die immer noch (
eigentlich wieder!) gebaute Savage 99 wahrscheinlich der beste
Unterhebelrepetierer aller Zeiten.
Heute gibt es die Savage 99 in 308 WIN und in 243 WIN.
Im Ladengeschäft lassen sich alle Unterhebelrepetierer schön leicht
durchladen, aber nach dem Schuss sieht die Sache ganz anders aus. Im Gegensatz
zu teueren FN BLR Waffen Iässt sich eine Savage in 308 auch nach dem Schuss
leicht öffnen und laden.
300 WINCHESTER MAGNUM
Als es bereits eine gut eingeführte "Wildcat" 30-338 gab,
entschloss sich Winchester eine eigene 300er auf den Markt zu bringen.
Basishülse war auch hier eigentlich die 300 Holland & Holland. Die 300 H&H wurde deutlich
gekürzt und etwas moderner gestaltet, fertig war die neue Patrone.
Ich bin der Meinung, dass diese Patrone aus einer relativ leichten
Jagdwaffe wohl das absolute Maximum darstellt in puncto ertragbarem Rückstoß.
Recht kernig!! Ziel der Entwicklung bei Winchester war es ein Maximum an
Pulverraum in einer Patrone mit konventionellem Gürtel zu schaffen. Die fertige
Patrone sollte ins Magazin des von Winchester gefertigten Model 70 passen.
Obwohl es sich hier um eine schlichte 30er mit einer voluminösen Hülse
handelt, so ist diese Patrone doch nicht gutmütig zum Wiederladen.
Erstens habe ich die Erfahrung machen müssen, dass hohe Anforderungen
an den Aufbau der Geschosse gestellt werden. Das Sierra 168 Match ist in seinem
Aufbau relativ "weich", und ich habe mit diesem Geschoss nie
vernünftige Resultate erzielen können. Das Lapua D47/D46 hingegen ergab deutlich bessere Präzision.
Sehr gut ist das Nosler Ballistic Tip.
Zum Zweiten reagiert die 300 Win Mag sehr dankbar auf das Abdrehen des
Hülsenmundes und exaktes Trimmen. Kurz gesagt, diese Patrone ist zum Erreichen
optimaler Präzision deutlich launenhafter als eine 308 WIN, aber wenn das Ganze
erst einmal auf einander abgestimmt ist, dann ist das Ergebnis spektakulär.
Ich habe mit Fabrikpatronen sehr durchwachsene Resultate erlebt:
Meine allererste Büchse in 300 WIN MAG, natürlich ein 98er System,
erhielt als erste Fütterrung eine Packung Remington mit 180 grains CoreLoct.
Die erste 10 Schußgruppe auf 100 Meter war 28mm! Ein sattes Loch. Hurra! Was
wird das erst werden mit richtig wiedergeladener Munition! Erste Versuche mit
diversen Geschossen und Pülverchen waren eher enttäuschend. 5 Schuss so um die
30mm. Nicht berauschend.
Als ich dann die Hülsen richtig aufbereitet hatte, schrumpften die
Gruppen, aber erst mit Norma 205 (heute MRP) und dem Lapua D46 185grs Geschoss
brachte meine Waffe dann Gruppen von ca. 15mm. Da ich zum exzessiven
Experimentieren zu faul und auch zu arm bin, ist dieses seit 30 Jahren meine
Standard-Ladung gegen Papierziele. Andere Ziele erhalten das 180grs Ballistic
Tip und reagieren wie zu erwarten. Das Ballistic Tip ist das einzige Jagdgeschoß,
welches bei dieser Patrone meinen Präzisionanforderungen genügt.
Bei einer großen Anzahl von Waffen hat sich im Laufe der Zeit meine
erste Beobachtung mit Fabrikpatronen bestätigt. Remington mit 180 grs Core Loct
schießt einfach problemlos gut und ist noch bezahlbar. Die neue Winchester
SilverTip (ein von Nosler für Winchester gefertigtes Ballistic Tip, schwarz
angepinselt und mit silbergrauer Plasticspitze) schießt aus fast allen Waffen
sehr präzise. Ich halte 180 grains für das optimale Geschossgewicht. Noch recht
schnell und nicht zu schwer.
Bezüglich meiner eigenen Ladung bin ich absolut katholisch geworden:
Das einzig Wahre ist NORMA MRP und entweder ein 180grains Ballistic Tip
oder ein 185grs Lapua D46.
Die normale Pulverladung ist 78 grains, aber für Long Range gehe ich
hoch auf 81,0 grains. Länge der geladenen Patrone 88,8mm (kann ich mir merken).
Wer mit einer 300 Win Mag Wettbewerbe bestreiten will, der braucht
entweder eine sehr schwere Waffe oder eine wirksame Mündungsbremse. Am Besten
beides!
Jagdlich gesehen ist die 300 Win Mag als eine starke Patrone
einzustufen; es gibt moderne und präzise Waffen in diesem Kaliber, aber der
Rückstoß wird von vielen als etwas heftig empfunden.
Wer unbedingt eine so hohe Leistung oder "umwerfende” Wirkung
sucht, kann diese Wirkung auch mit einer größeren Kugel erzielen, z.B. eine 9,3
x 62.
Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die 300 Win Mag ein Stück
"Knall und Fall' zur Stecke bringt, mit einer Ausnahme: Sogar ein
schwacher Brunfthirsch verträgt bis zu drei Schuss!!. Eine 375 Holland und
Holland ist da überzeugender.
308 Norma Magnum
Eine schwedische 300 WIN MAG und nichts anderes. Die Ladedaten
unterscheiden sich kaum. Die Hülsen ebensowenig. Leider ist die 308 Norma
Magnum recht selten geblieben. Für eine SAKO in diesem Kaliber habe ich mal mit
recht guten Resultaten Patronen geladen und nie wieder etwas von der Sache
gehört.
300 Weatherby Magnum
Die stärkste serienmäßige 30er Patrone.
Aus Weatherbybüchsen in der Regel sehr Präzise und wie die 300 Win Mag
eine Patrone mit starkem Rückstoß.
Alles was für die 300 Win Mag gesagt wurde gilt für die 300 Weatherby
Magnum, nur wird hier noch mehr Pulver verbrannt. Der Geschwindigkeitszuwachs
ist in der Praxis nicht mehr als 3% und dafür wird ca. 11% mehr an Pulver
verbrannt.
Ich hafte einen Sommer lang eine Weatherbybüchse in diesem Kaliber und
war mit der Präzision nicht ganz zufrieden. Eine Krähe auf ca. 300 Meter war
nicht immer gefährdet.
.
30-378 Weatherby
Bei dieser Patrone zeigt sich in erschreckender Weise wozu Long Range
Schützen fähig sind. Es wird die extreme 378er Hülse genommen und tüchtig
runterkalibriert.
Dann eine Unmenge Pulver (gut jenseits von 120 grains MRP)
hineingepackt und dann ein (über)schweres 308er Geschoss gestopft.
Diese Patrone ist in jeder Beziehung verheerend! Giftiger Rückstoß,
lauter Knall und richtig kurze Lebensdauer des Laufes. Abgescherte Montagen
gehören zum Alltag.
Dabei ist
diese Patrone bei dein Long Range Boys noch nicht einmal das non plus ultra.
Es gibt da noch eine 30 Drummond! im Prinzip eine
30-378, aber zum erreichen noch größeren Pulvervolumens zylindrisch ausgeblasen
mit steiler Schulter und kurzem Hülsenhals. Es gehen ca. 10 grains Pulver mehr
rein!!
Diese Patronen passen natürlich nur in Weatherby-Verschlüssen
oder in sehr teuren Einzelanfertigungen.
Neuerdings
bietet Weatherby die 30-378 ab Werk an.
8MM
Amerikanisch .323" oder auch 7,92mm
8 x 57 IS oder 8mm Mauser.
Die Deutsche Patrone schlechthin.
Heute gilt diese Patrone in der
Flachpresse als völlig überholt etc. Ich behaupte jedoch, dass diese Patrone
für unsere Verhältnisse nach wie vor eine hervorragende Patrone für die Praxis
im Revier ist.
Ausreichend Kaliber, nicht zu
schnell und dadurch nicht zu brutal und ausreichend präzise. Mit einem
altmodischen Teilmantel-Rundkopf fällt alles zuverlässig um.
Bei amerikanischen Fabrikladungen ist Vorsicht geboten. Diese Patronen sind in der Regel recht schwach geladen. Es gibt ja noch uralte Waffen im Kaliber 8 x 57I. Eine amerikanische Fabrikpatrone 8mm Mauser (=8 x 57 IS!) ist so schwach geladen, dass in einem alten Gewehr 88 in 8 x 57 I eine Waffe in gutem Zustand die Sache überstehe.
Über die 8 x
57 IS ist im Laufe eines Jahrhundert so viel geschrieben worden, dass ich mich
hier vornehm zurückhalten kann.
8 x 68
Eine Deutsche Magnum Patrone.
Der Rückstoß ist hoch, aber für den jagdlichen
Einsatz noch erträglich. Wie bei der kleinen Schwester 6,5x68 bin ich mit der
Präzision nie ganz glücklich geworden, aber um auf einen Elch oder Hirsch zu
schießen braucht man wirklich keine Benchrestwaffe. Mit den soliden 8mm
Geschossen ist die Wirkung immer sehr zuverlässig.
Mit einem Barnes X-Geschoss geladen war die
Präzision, zumindest in den zwei Waffen, welche ich besessen habe, deutlich besser
als ich mit RWS TUG erreichen konnte.
8mm Remington
Magnum
Diese Patrone hat es wirklich gegeben!! Es war die längste Hülse,
welche Remington jemals gefertigt hat. Natürlich basierte die Hülse auf die
alte 300 H&H. Diese Patrone war deutlich stärker als die 338 WIN Mag. Sie
war ja auch als Konkurrenz zu Winchesters Patrone gedacht. Kommerziell war
diese Patrone ein absoluter Flop!
Wer eine solche Waffe besitzt, sollte seine Hülsen sehr sorgfältig
aufsammeln und, wenn irgendwann mal Hülsen für diese Patrone angeboten werden,
Hülsen nachkaufen. Heute kann man die Hülsen gegebenenfalls auch aus Hülsen 416
Remington formen. Runterkalibrieren und ablängen.
Mit einem Barnes X-Geschoss hatte ich mit Norma 205 (heute MRP) sehr
brauchbare Resultate, aber die Remington 700 war mir einfach zu leicht für
diesen Treter. Ich habe drei mal VORBEI geschossen, da ich in Erwartung des
Rückstoßes "gemuckt” habe. Mit einer wirkungsvollen Mündungsbremse sollte
die Sache aber erträglich sein.
Heute ist diese Patrone nur noch etwas für den Wiederlader. Es ist die
einzig mir bekannte 8mm Patrone, welche sehr präzise ist.
Kaliber 32
In der Regel ca. 8,13mm.
In diesem Kaliber gibt es ein ganzes Sammelsurium an tatsächlichen
Durchmesser/Laufabmessungen.
32-40
Eigentlich eine alte Schwarzpulverpatrone und unter vielen Namen hier
und da aufgetaucht und in der Versenkung verschwunden. Von der Leistung und der
Hauptsächlichen Anwendung mit der deutschen “Schützen-Patrone” vergleichbar.
Komischerweise gibt es eine beachtliche Anzahl von wunderschönen
Scheibenbüchsen österreichischer Provenienz, welche dieses Kaliber aufweisen!
Winchester hat diese Patrone vor einigen Jahren zusammen mit einer commemorativ
Version der 94er-Büchse auf den Markt gebracht. Munition gibt es heute natürlich
keine mehr! Hülsen und Matrizzen kann man noch finden, aber Geschosse sind ein
echtes Problem. Die hier und da angebotenen Bleiklumpen haben sich bei mir
nicht bewährt, da die Qualität dieser Geschosse nur als miserabel zu bezeichnen
ist.
Ich war also gezwungen Mantelgeschosse für dieses Kaliber selbst
herzustellen.
Damit waren die Resultate dann auch sehr befriedigend. Ein 170 grains
schweres Flachkopfgeschoß mit 26 grains Kemira N130 funktioniert prima.
8,15 x 46R
Das deutsche
Pendant zur 32-40
Natürlich genau wie die 32-40 eine völlig veraltete Patrone, aber es
gibt noch viele schöne Scheibenbüchsen in diesem Kaliber und mache wollen damit
auch gelegentlich etwas treffen. Obwohl ich persönlich von der Qualität der
angebotenen Bleigeschossen nicht überzeugt bin, scheint diese Patrone
Bleipillen etwas besser zu verdauen als die 32-40. RWS hat die Produktion der
Mantelgeschosse für diese Patrone eingestellt, aber mein 32er Geschoss hat sich
in einigen Büchsen bestens bewährt.
Kaliber 338
Auf Deutsch 8,5mm
338 Winchester Magnum
Diese Patrone entstand in 1958 und ist neuerdings wieder etwas
beliebter geworden. Diese Patrone wird von verschiedenen Waffenherstellern als
Standard angeboten und fast alle US-Hersteller bieten Munition an. Von der
Leistung her liegt diese Patrone auf Papier ungefähr in der Klasse einer 375
H&H, aber bei kleinerem Kaliber und höherer Vo ist die Flugbahn natürlich
gestreckter und die Wundballistik unterscheidet sich meiner Meinung doch
noch deutlich von einer Großkaliberpatrone.
Ich hatte nur eine Waffe in diesem Kaliber, eine Winchester 70, und die
Waffe war absolut brauchbar. Der Nachbesitzer nutzt diese Waffe noch heute in
einem Land früher Rhodesien und heute korrekterweise Mugawestan genannt. Alles
was er dort schießt fällt sehr überzeugend um. Zur reinen Fleischjagd nimmt er
natürlich eine 243 Winchester! Diese Waffe wird also von einem Profi nur eingesetzt um bei
den Touristen Eindruck zu schinden!
Im Kaliber 338 gibt es für den Jäger fast jede denkbare Laborierung und
der Wiederlader hat die Wahl zwischen normalen und exotischen Geschossen in
allen Preisklassen. Persönlich halte ich die absolut extrem treuren
Wundergeschossen für Geldverschwendung, aber der psychologische Faktor ist hier
für manche wiederladenden Jäger sehr wichtig.
Persönlich habe ich mit Kemira N160 bei 250grs Geschossen recht gute
Erfahrungen gemacht. Berichte von anderen Wiederladern bestätigen mir, dass
diese Magnumpatrone nicht besonders wählerisch ist in Bezug auf Pulversorten
oder Geschossgewichten.
340 Weatherby Magnum.
Angespornt vom Erfolg der 338 WIN MAG kam natürlich auch eine 340
Weatherby Magnum. Etwas länger, dadurch mehr Pulvervolumen, von Norma recht nah
am oberen Limit geladen. Auf Papier deutlich stärker als die 338 WIN Mag.
In der Praxis ist dieser Unterschied wahrscheinlich nie feststellbar,
und diese Patrone ist auch kein großer Renner in der Weatherby Palete geworden.
Beim Wiederladen habe ich mich immer an Norma Ladedaten gehalten und
die Resultate waren absolut in Ordnung. Wie bei allen Weatherby Patronen sollte
man doch immer Geschosse von solider Grundkonstruktion verwenden. Einerseits
bringen dünnwandige Billigheimer keine gute Präzision, anderseits wird die
wundballistische Wirkung solcher Geschosse mitunter etwas unsicher. Überzeugend
im Kaliber 338 ist das Nosler Ballistic Tip. Wenn man es der Länge nach
durchgesägt, dann erkennt man den Grund.
338 Lapua Magnum
Nichts anderes als die alte 416er
Rigby Hülse auf 338 runterkalibriert.
Allerdings arbeitet die 338 Lapua Magnum mit einem recht hohen Gasdruck.
Das SAKO 75er System scheint es auszuhalten, aber mir persönlich ist
die Sache an der Laufverschraubung etwas dünnwandig.
Ich habe diese Patrone noch nicht selbst geladen und stütze mich hier
auf Überlieferungen meiner Freunde.
Manche Fabrikladungen werden sogar von abgebrühten Machos als
knüppelhart empfunden, aber diese haben mir berichtet, dass die 338 mit guter
Präzision sehr flexibel geladen werden kann und dann nicht mehr so fürchterlich
tritt.
Alle berichten, dass beschossene Stücke bei Körpertreffern im Knall
geankert wurden .
Kaliber 358
Auf Deutsch 9,08mm
Ein recht selten gewordenes oder gebliebenes Kaliber.
Eigentlich recht brauchbare Patronen, aber keine hatte kommerziellen
Erfolg.
358 Winchester
Nichts anderes als eine 308er Hülse mit einem dickeren Geschoss. Diese
Patrone wurde von Winchester als "Busch-Patrone' für die Jagd auf relativ
kurze Entfernungen ins Leben gerufen. Ich hatte mal eine Winchester Mod.70 in
diesem Kaliber von einem Amerikaner zur Aufbewahrung/Benutung. Mit der
Fabrikpatrone war die Schussleistung, obwohl die Waffe nagelneu war, absolut
miserabel und ich habe nie eine einzige Patrone für diese Waffe selbst geladen.
358 Norma Magnum
Die Hülse der 308 Norma Magnum mit einem dicken Geschoss. Bestimmt
keine schlechte Idee aber diese Patrone hat sich genauso wenig durchsetzen
können gegen die übermächtige US-Konkurrenz wie die 308 Norma Magnum.
35 Whelen
Ein gewisser Townsend Whelen, ein fast pathologischer
"Wildcatter”, erfand diese Patrone.
Es handelt sich hier, wie nicht anders zu erwarten, um eine 30-06er
Hülse mit einem 35er Geschoss. Im Allgemeinen wird die 35 Whelen, welche
neuerdings von Remington im Model 700 angeboten wird, recht moderat geladen.
Das doch schon recht dicke Kaliber mit relativ hohem Geschossgewicht wirkt
überzeugend.
Es ist in der Praxis eine "amerikanische” 9,3 x 62, welche bei uns
ja auch den Ruf hat gemütlich, aber nachdrücklich zu Werke zu gehen.
350 Remington Magnum
Eine hochmoderne und sehr interessante Patrone. Diese Patrone wurde von
Remington speziell für die Remington 600er Büchsen entwickelt. Eine kurze,
dicke Patrone mit ganz erstaunlicher Leistung. In der Leistung liegt diese
kurze Patrone (nur 55mm Hülsenlänge) zwischen der 9,3 x 62 und der 9,3 x 64!
und das auch noch aus 48cm langen (oder kurzen) Läufchen.
Obwohl die Remington 600er recht leicht und führig waren, war der
Rückstoß mit den Fabrikpatronen noch erträglich. Leider waren die Abzüge immer
etwas rustikal.
Ich selbst habe in Tennessee ein geschecktes wildes Schwein von ca. 100
kg damit gestreckt und es war "Knall und Fall". Vorher hatte ich mit
dieser geliehenen Waffe und Fabrikpatronen auf ca. 130 Meter auf einen alten
Eimer geschossen und die drei Löcher lagen in ca. 4 cm, liegend freihändig. Da
kann man nicht meckern.
Keine der 358er Patronen ist jemals ein kommerzieller Erfolg geworden,
obwohl meiner Meinung nach gerade die 350 Rem Mag eine prima Sache war.
Kaliber 9,3
Auf "Amerikanisch"
.366"
Ein ausgesprochen europäisches Kaliber. Wieso nun ausgerechnet dieses
"krumme” Maß entstand entzieht sich meiner Kenntnis, aber es ist nun mal
da.
9,3 x 62
Eine immer noch beliebte und eine durchaus bewährte Jagdpatrone.
Nicht zu giftig geladen, ein recht dickes Kaliber und ausreichend
Geschossgewicht.
Man braucht keine exotische Büchse zu bauen; ein bewährter 98er reicht
völlig.
Für unsere Verhältnisse eine fast ideale Patrone. Auf Rehwild bleibt
die Wildbrettzerstörung in Grenzen und auf Sauen hat man durchweg überzeugende
Resultate. Natürlich ist dies keine besonders gestreckt schießende Patrone,
aber für 99,8% der Schüsse auf Schalenwild liegt die Schussentfernung bei
höchstens 130 Meter und da kann man mit fast jeder Patrone "Fleck” halten.
Sehr beliebt in unserer Gegend ist die Norma Patrone mit 231 grs (15,0
gramm) Vulcan Geschoss.
Für den Wiederlader: Eine Kopie der Norma-Fabrikladung bzgl.
Treffpunktlage und Leistung erreicht man mit dem 231 grs Norma Vulcan Geschoss
und 57,0 grains Norma 201 bei einer Setztiefe von 77,05mm.
Man spart zum Preis der Fabrikpatrone eine Menge Geld.
9,3 x 64
Gedacht als deutsche Antwort auf eine 375 Holland & Holland.
Deutlich kürzer als die 375 H&H passt diese Patrone noch in ein
98er System! (Allerdings doch mit einer deutlichen Schwächung des Wiederlagers
für die untere Verriegelungswarze!)
Bei der deutlich längeren 375 H&H mache ich da nicht mehr mit, da
man doch sehr viel Stahl wegnehmen muss um Platz für die lange Patrone zu
schaffen.
Die Leistung der 9,3 x 64 ist mit der 375 H&H vergleichbar, aber in
manchen Ländern besteht eine Forderung von mindestens 9,5mm für Großwild. Ob
diese 0,2mm einen Unterschied machen, hat noch keiner, außer Gesetzgeber, so
genau feststellen können.
Persönlich mag ich diese Patrone überhaupt nicht. Ich finde, dass sie
in den üblichen Fabrikladungen eine besonders harten Rückstoß hat. Eine 375
H&H kommt mir immer etwas weicher vor. Die 9,3 x 64 gibt mir einen Tritt
bei dem ich vom Hocker falle, eine 375 H&H schiebt mich vom Hocker.
Ich habe diese Patrone nie selbst wiedergeladen und kann somit nicht
sagen, ob dieser rein subjektiv empfundene Eindruck durch variieren von
Komponenten geändert werden kann.
9,3 x 74R
Eine souveräne Patrone für teure
Kipplautwaffen.
Allerdings liegt sie leistungsmäßig
deutlich unter der 375 H&H. Sie ist in den entsprechenden Waffen noch recht
angenehm zu schießen und die Leistung ist für alles was in West-Europa an
Wildarten vorkommt eine finale Lösung. Wer ein Revier mit starkem Rotwild,
Sauen und Rehwild bejagt, findet hier die fast ideale Patrone aus einer
Kipplaufwaffe. Ein ausreichend dickes Kaliber, denn auf eine grobe Sau gehört nun
mal eine grobe Kugel, und ein Reh fällt sauber um ohne erwähnenswerte
Wildbretzerstörung.
Ich habe mit dieser Patrone absolut
positive Erfahrungen gemacht.
Bei den verwendeten Fabrikpatronen
störte mich allerdings das extreme Mündungsfeuer.
Als Wiederlader kann man hier mit
einem modernen Pulver mit sgn “lnhibitoren” vielleicht etwas verbessern.
Kaliber 375
Metrisch
9,60mm Geschossdurchmesser, denn das Geschoss hat einen tatsächlichen
Durchmesser von .378"
375 Winchester
Eine auf .378 aufgeblasene 30-30.
Diese Patrone wurde von Winchester
im 94er Unterhebelrepetierer angeboten und die Leistung ist durch die schwache
Konstruktion doch sehr begrenzt. Gedacht war diese Patrone als “Aufwertung” der
30-30 für die Jagd im dichten Wald. Auf kurze Entfernung wollte man mit dem
dicken Kaliber mit einem Geschossgewicht von 220 grains dem amerikanischen Jäger etwas mehr "SMASH"
zur Verfügung stellen. Funktioniert auch.
Bei uns in Europa sieht man 94er
Unterhebelrepetierer aber sehr selten in der Hand eines Jägers.
Bis 100 m schießt ein Winchester 94
eigentlich recht passabel und mit einer stabilen Montage können die neueren
“angle ejecet” Modelle durchaus eine nette Jagdwaffe abgeben.
375 Holland & Holland Magnum
Heute meinen Jäger in aller Welt,
wenn sie 375 H&H sagen, die Patrone 375 H&H Belted Magnum. Es gab aber
auch eine reine Randversion dieser Patrone und es soll sogar eine “rimless”,
also randlose, Version gegeben haben. Ich habe diese letztere Variante noch nie
gesehen!
Wenn es auf der Welt eine für alle
Wildarten universelle Patrone gibt, dann ist es diese!
Noch dickere Kaliber und/oder
Patronen helfen auch auf Großwild nicht bei schlechten Treffern. Mit der 375
H&H kann man, ohne hinterher in ärztliche Behandlung zu müssen, ab und zu
auf dem Schießstand üben und bitte, glaubt es mir, es hilft und es ist keine
Schande! Auch einen Büffel muss man TREFFEN!
Meine Lieblingsladung ist die Remington Fabrikpatrone mit einem 270
grains Teilmantel.
Sehr präzise und die Flugbahn ist ausreichend gestreckt um auch auf 300
Meter auf ein Zebra oder Gnu zu schießen. Das sind zähe Tiere!
Safari-Büchsen sind immer recht schwer. Wer so ein Ding mehrere Tagen
bei einer Affenhitze geschleppt hat, wird wissen, was ich meine. Man sollte
aber darauf bestehen seine Waffe selbst zu tragen und diese nicht einem
"Gunbearer” überlassen. Denn dann kann es passieren, dass man im
entscheidenden Augenblick die Hand nach hinten ausstreckt um, da keine Waffe
gereicht wird, festzustellen, dass der Gunbearer sehr schnell in sehr hohe
Bäume klettern kann oder heimlich für die 200 Meter bei der nächsten Olympiade
trainiert hat.
Eine wunderschöne und angenehm leicht zu tragende Büchse war die Voere
Titan ll. Gerade noch erträglich, aber wenn man öfter damit trainieren will,
dann tut die Sache nach ca. 10 Schuss doch weh. Abhilfe ist meine gute
Mündungsbremse.
378 Weatherby Magnum
Typisch Weatherby! Eine noch dickere Hülse, noch viel mehr Pulver, noch
schneller und noch lauter! Roy Weatherby stieg mit dieser Patrone, für welche
eine eigene Hülse entwickelt wurde, in die Klasse der Super Magnums auf.
Das große Weatherby System ist eine wunderschöne Sache. Nicht zu klobig
und mit großer Schützensicherheit. Die Büchsen sind eigentlich relativ leicht
und elegant.
Das rächt sich aber beim Schießen. Der Rückstoß ist für jeden normalen
Menschen, der mal ein halbes Dutzend Übungsschüsse abgeben will, absolut
unerträglich. Eine dicke, fette Mündungbremse hilft.
Manche professionelle Jäger sind der Meinung, dass hier bereits des
Guten zuviel erreicht wurde und normale Vollmantelgeschosse sich bei diesen
Gewalten und bei den üblichen kurzen Entfernungen verformen. Mit reduzierten
Ladungen sollen die Resultate bzgl. Eindringtiefe in Elefanten deutlich besser
sein. Kann ich nicht aus eigener Erfahrung bestätigen, aber einige
aufgefundenen Geschosse lassen diesen Schluss zu.
Bei dieser Patrone sage ich persönlich:”Too much gun!”
Kaliber 10,3
Jawohl! Gibt es doch!
10,3 x 60R
Auch genannt “Bündner Patrone”, da im Kanton Graubünden nur mit dieser
Patrone Hochwild bejagt werden darf. Es ist ja auch eine absolut ideale Patrone
für alpine Verhältnisse; die Flugbahn kommt der eines Granatwerfers bereits
sehr nahe. Aller Ironie zum Trotz ist diese Patrone gar nicht so verkehrt. Man
hat eine dicke Pille bei mäßigem Rückstoß. Für normale jagdliche Entfernungen
bis ca. 130 Meter ist es eine feine Patrone, obwohl manche Jäger meinen, dass
man auch mit einer Bowlingkugel Resultate erzielen könnte.
Da ich kein Bündner Jäger bin, habe ich mir nie Gedanken über das
Wiederladen dieser Patrone gemacht, obwohl ich Hülsen, Matrizen und Geschosse
gekauft habe, da ich mir irgendwann bestimmt eine Gewehr für diese Patrone
bauen werde.
Ein Siam-Mauser wäre genau das richtige.
Kaliber 416
Metrisch
10,6mm
Bei diesem Kaliber denkt man erst
einmal an die 416 Rigby, aber heute gibt es ein ganze Palette von 416er.
416 Rigby
Eine von Sagen und Legenden
umrankte Patrone.
Die Fa. John Rigby in London
fertigte diese Patrone in Verbindung mit eigenen, überdimensionalen
Mauser-Systemen. Die konservative Ladeweise (obwohl der Mann Ire war und kein
Engländer) mit einem gemäßigtem Druck aus einer enormen Hülse und die robusten
und funktionssicheren Systemen machten diese Patrone in Afrika sehr beliebt.
Noch heute werden diese Büchsen gefertigt. Kosten ein Vermögen! Die Büchsen
waren allerbeste Büchsenmacherartbeit und wurden fast zum Statussymbol für den
Professional Hunter.
Die Leistung ist absolut
beeindruckend, aber es ist wie bei den meisten Sachen im Leben: Es war der
Kompromiss von ausreichender, aber nicht zu hoher Geschwindigkeit mit stabilen
Geschossen und hervorragend funktionierenden Waffen, welcher für den Mythos
verantwortlich war. Auch der Rückstoß war für diese Supermänner angeblich
absolut erträglich. Ich finde den Rückstoß etwas heftig, aber ich bin ja auch
ein bekennender Warmduscher.
Neben Rigby in London (best London
Quality, nicht nach dem Preis fragen!) fertigen Ruger und Dakota Arms Waffen
für die original 416 Rigby. Obwohl diese Patrone mit ihren ca. 75 Jahren
eigentlich total veraltet sein muss, so scheint gerade diese Version immer noch
das Optimum in dieser
Leistungs-/Kaliberklasse zu sein.
Eine interessante Alternative wäre
eine SAKO in 338 Lapua Magnum. Lauf raus,
416 Rigby Lauf rein - fertig!
416 Taylor
Eine verbreitete “Wildcat”. Basishülse ist die 458 Winchester. Eine 458 Winchester Magnum mit der Kalibriermatrizze 416 Taylor runterkalibrieren, Zünder ein, Pulver rein, Geschoß drauf ....fertig!
Sinn und Zweck der Sache? Man kann hier mit einem ganz normalen Mausersystem eine sehr preiswerte Büchse herstellen! Man spart gegenüber einer Büchse mit dem Mauser Magnum System ca. €2000!
416 Remington Magnum
Diese Patrone habe ich noch nie geschossen. Anders als bei der "richtigen" 416 (siehe oben) handelt es sich bei der 416 Rem Mag um eine "normale" Gürtelhülse. Diese ist von Durchmesser her meiner Meinung nach bereits das absolute Maximum für die relativ schlanke Laufverschraubung der Remington 700. Remington hat, um Leistung zu erreichen, das Heil in Länge und Druck gesucht. Gerade der hohe Gasdruck kann in Afrika (viel Sonne, daher viel warm!) zu unerwartet großen Gasdrucksteigerungen führen. Dann hat man manchmal mit etwas zähem Ausziehen der Hülse zu kämpfen. Eine Remington 700 ist in diesem Punkt aber bereits unter ganz normalen Bedingungen nicht optimal.
Eine "echte” 416er passt aber
nicht in die Reminton 700 rein, und man wollte unbedingt die in USA aufkommende
Welle der"magischen 416" reiten. Ruger hatte die 416 ins Programm
aufgenommen!
416 Weatherby Magnum
Natürlich konnte Weatherby diese
Gelegenheit nicht ungenutzt vorbeigehen lassen.
Also kam nach dem bewährten Muster
(Lauter, schneller etc.) auch eine 416 Weatherby. Hier hatte man nicht die
dimensionalen Probleme wie Remington, sondern man griff einfach auf die
existierende, sehr großvolumige, Hülse der 378/460 Weatherby zurück und versah
diese mit Geschossen im Kaliber 416. Schon war die neue Super Magnum Patrone
geboren. Leider ist auch Weatherby den Weg des hohen Druckes gegangen. Hier hat
aber der Wiederlader seine große Chance.
Eine original Rigby Büchse, auch
noch so alt und ausgelutscht ist fast unbezahlbar. Ein neues Mauser Magnum
System auch (obwohl ich da einen Hersteller gefunden habe bei welchem der Preis
nicht ganz in astronomische gegangen ist. So kann ich eine fertige Büchse auf
Basis eines Mauser-Magnum-Systemes ab €3400 anbieten!) Eine Weatherby Büchse in
416 Weatherby Magnum ist aber durchaus bezahlbar. Die komplette Waffe kostet
dem Kunden weniger als ein neues Mauser Magnum System mich als Händler im
Einkauf kostet. Und wie so oft im Leben: Weniger ist mehr. Eine deutliche
Reduzierung der Ladung (Achtung: Ladedichten beachten!!) bringt uns wieder
genau auf die Leistungsstufe und Druckverhältnisse der unbezahlbaren original
Rigby!!
Kaliber 44
Geschoßdurchmeser
.429". Metrisch 10,9mm
44-40
Eigentlich
kein "echtes” 44er Kaliber, sondern offiziell .427" ( 10,84mm)!
Eine uralte, sehr schwache Patrone.
Diese Patrone wurde auch in der Colt Single Action Army eingesetzt.
Ursprünglich wurden angeblich 40
grains Schwarzpulver verladen, heute lädt man meistens homöopathische Doses von
Pistolenpulver.
Der Wiederlader kann hier
unvermutet auf Probleme stoßen. Wo gibt es heute Geschosse mit einem
Durchmesser von .427”???? Also lädt man Geschosse mit .429' und stellt dann
fest, dass manche Repilka-Waffen diese Patrone nicht so ohne weiteres schlucken
wollen, da der Hülsenhals etwas zu dick wird. Die meisten Wiederlader wissen
sich mit einer 44er Kalibriermatrize zu helfen, aber es ist nicht ganz das
Gelbe vom Ei.
Nur die Fa. Marlin hat dem Umstand,
dass 427er Geschossen kaum noch zu haben sind, Rechnung getragen und baut den normalen
44er Lauf (.429”) ein mit einem eigentlich etwas zu weitem Durchmesser im
Hülsenmund.
Damit funktioniert die Waffe ohne
irgendwelche Probleme mit allen wiedergeladenen Patronen.
44 Magnum (Eigentlich eine Revolverpatrone)
Vor vielen Jahren baute Ruger eine
wunderbare kleine Selbstladebüchse in 44 Magnum. Die 10/44. Die Dinger
funktionierten prima und bis 100 Meter war die Patrone auf Rehwild absolut
brauchbar. Ich habe damals ausschließlich das Norma 236 grains Geschoss verladen
mit 25 grains Winchester 296. Die Präzision war mit ca. 5 cm für eine 5 Schuss
Gruppe eigentlich überraschend gut. Die Wirkung war auf Rehwild bei den
üblichen jagdlichen Entfernungen prima. Sehr geringe Wildbretzerstörung und
sichere Wirkung.
Ob die neu aufgelegte Version des
10/44 von Ruger nun tatsächlich eine Verbesserung sein wird, kann ich mangels
Erfahrung nicht sagen, aber ich bin da sehr skeptisch.
444 Marlin
Von manchen auch "Busch-Entlaubungs-Patrone” genannt.
Obwohl man annehmen könnte, dass es sich hier um eine verlängerte 44
Magnum handeln könnte, und viele Jäger diese Patrone auch tatsächlich für eine
Revolverpatrone halten, ist diese Patrone eine ausgewachsene Gewehrpatrone mit
einem ansehnlichen Gasdruck. Die Basishülse war die 30-40 Krag! Die Hülse ist
nicht rein zylindrisch, wie die Hülse der 44 Magnum, sondem leicht konisch um
ein sicheres Ausziehen zu gewährleisten.
Meines Wissens wird diese Patrone nur in Marlin Waffen angeboten. Alle
mir bekannten Marlin 444 Sporter schießen zuverlässig gut. 5cm und weniger auf
100 Meter sind üblich, vorausgesetzt es wird mit den richtigen Geschossen
gearbeitet.
Man sollte beim Wiederladen dieser Patrone bedenken, dass die Geschosse
erheblich höher belastet werden als bei einer 44 Magnum. Man braucht also ein
sehr stabiles Geschoss mit einem recht starken Boden. Gut funktionierten immer
das 44er Geschoss von Norma und das 240 grains Geschoss von Remington.
Ersteres wird nicht mehr als Komponente angeboten, letzteres war lange
Zeit in Deutschland verboten !
Notgedrungen wurde dann etwas anderes verladen. Mit Speer Geschossen
nie Erfolg gehabt. Gruppen von 10cm und mehr! Das PMC Geschoss scheint besser
zu sein.
Die Wirkung der Fabrikladung von Remington ist überzeugend! Eine
flüchtige Sau wird einfach festgenagelt! Allerdings hat man nur selten
Ausschuß.
Meine Ladung: 50,0 grs Norma 200 oder Kemira N130 und ein Norma Pille.
Ich habe noch ca. 100 St!
Kaliber 458
Diese Geschosskaliber existiert in
der Bezeichnung 45 und 458
Metrisch 11,6mm
45-70 (Auch 45 Government)
Eine echte Steinzeitpatrone. Es war die erste in USA flächendeckend
eingeführte Militärpatrone mit einer Metallhülse für Hinterlader.
Die zur Patrone gehörende Springfield Trapdoor war für die
ursprüngliche Schwarzpulverladung bestens geeignet, hat aber nach heutigen
Maßstäben einen sehr schwachen Verschluss.
Der Wiederlader tut gut daran seine Ladung der Waffe anzupassen!!
Hier hat man reichlich Kaliber und
Geschossgewicht.
Ich habe mit dieser Patrone einen
Weißwedelhirsch gestreckt und kann sagen, dass bei einem reinen Blattschuß auf
ca. 90 Meter die Wirkung im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend und die
Wildbretzerstörung sehr gering war.
Für unsere Breitengrade eine
absolut brauchbare jagdliche Patrone.
Für den Wiederlader mit einer
Marlin oder einer Winchester High Wall meine Ladedaten: 300 grains Hollow Point
von Remington und 50,0 grs Norma 200 oder Kemira 130.
450 Marlin
Eine neue Patrone.
Wie oben bereits erwähnt, kann der
Wiederlader, eine entsprechende Waffe vorausgesetzt, deutlich mehr Leistung aus
eine 45-70 holen gegenüber der Fabrikladung.
Marlin hat erkannt, dass ein
entsprechender Marlin Unterhebelrepetierer mit Fabrikladungen in 45-70 auf eine
etwas magere Diät ist. Um das Potential der Waffe ausnutzen zu können hat man
nun in Zusammenarbeit mit Hornady eine Lösung gefunden. Um Verwechselungen zu
vermeiden hat man eine etwas schlankere Hülse mit Gürtel genommen. Durch den
Gürtel geht die Patrone auf keinen Fall in das normale Patronenlager einer
45-70, andererseits hat man den Gürtel soweit nach vorne verlängert, dass es
nicht möglich ist diese Patrone irrtümlich in z.B. eine 300 Win Mag zu stecken.
Die Überlegungen sind allesamt richtig.
Man hat nun für den nicht
wiederladenden Kunden einen Unterhebelrepetierer herausgebracht mit deutlich
mehr Leistung als eine 45-70.
Mit Marlin Waffen in 45-70 habe ich
recht gute und vor allem konstante Ergebnisse gehabt und die neue Patrone wird
wohl ebenso unkompliziert funktionieren wie der Vorgänger.
Sobald eigene Erfahrungen vorliegen
erfolgt Meldung.
458 Winchester Magnum
Winchesters Großwildpatrone.
Von manchen heiß geliebt, von
anderen fast verachtet oder verabscheut.
Ich kann mich keiner Fraktion
anschließen. Eine 375 H&H hat genug Power und eine wesentlich gestrecktere
Flugbahn. Schüsse auf 300 Meter sind durchaus keine Seltenheit in Afrika und
ein Ticket für einen Elefanten kann ich mir nicht leisten.
So mancher Macho hat sich eine
Waffe in diesem Kaliber zugelegt.
Die meisten stehen im Schrank.
Die 458 Win Mag ist eine echte
Großwildpatrone mit reichlich "Smash' für Entfernungen bis ca. 150 Meter.
Prima für Elefanten, Hippos und Krokodile.
Jawohl, denn diese Fiecher muss man
am Fleck bannen, sonst sind sie im Wasser und ich finde es unangenehm dann im
Wasser nach einem Krokodil stochern zu müssen. Da gibt es meistens noch mehr
von der Sorte und zwar so viele, dass eine inoffizielle Reduktion notwendig
wurde! Schmecken ausgezeichnet!
Der Wiederlader kann mit relativ
leichten Geschossen von 300 grains die Brutalität der Fabrikladung, meistens
mit 400 oder 500 grains Pillen bestückt, etwas mildern, aber es bleibt eine
fast schon überstarke Patrone.
Obwohl die Patronenlager der 458
Win Mag einen sehr langen Übergangskegel aufweisen, schießen die Waffe im
Durchschnitt recht präzise. Streukreise um 6 cm sind bei einem solchen Kaliber
absolut in Ordnung.
460 Weatherby Magnum
Wie die 378 Weatherby Magnum empfinde ich diese Patrone als monströs.
Selbstverständlich ist sie deutlich stärker als die 458 Win Mag. Da die
Vo deutlich höher ist als bei der 458 Win Mag, kann man deutlich weiter mit ihr
"Fleck” halten.
Ich kenne persönlich einen Berufsjäger, welcher so eine Waffe
konsequent mitschleppt. Auch er ist der Meinung, dass die Fabrikladung etwas
des Guten zuviel sei. Nicht bzgl. des Rückstoßes, denn er hofft ja bei jeder
Jagd, dass der Kunde das Wild streckt und er nicht schießen muss, sondern bzgl.
der Geschosse. Auch er lädt mit konventionellen Geschossen nur 105 Grains MRP.
Es gibt bestimmt moderne Geschosse, welche die Belastungen aushalten
(Monolithic Solids), aber man muss ja sparen.
Besagter Berufsjäger hat diese Waffe nur dabei, wenn er mit Kunden
unterwegs ist, denn die meisten Safarijäger schießen, mangels Übung mit einer
starken Patrone, erbärmlich schlecht und er kann den angeschossenen und
fliehenden Büffel mit dieser Patrone einfach hinterherschiessen. Hört sich
brutal an, ist aber deutlich besser als den halben Tag durch die Dornen zu
rennen.